NSU-Prozess:Verteidiger werfen Gericht Versäumnisse vor

Die Verteidigung von Beate Zschäpe hat am Dienstag schweres Geschütz gegen das Gericht und die Bundesanwaltschaft aufgefahren. Das Gericht habe es versäumt, die alte Dame rechtzeitig, also sie noch fit war, durch einen Richter befragen zu lassen. Dadurch aber habe Zschäpe keine Möglichkeit mehr, der Zeugin Fragen zu stellen. Das sei ein Verstoß gegen den Grundsatz auf ein faires Verfahren und gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

Schon früh hatten die Anwälte von Zschäpe gefordert, die Nachbarin als Entlastungszeugin richterlich zu vernehmen. Nichts geschah. "Die Verteidigung kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch der Senat kein ernsthaftes Interesse an einer umfassenden Aufklärung hat", kritisierte Heer.

Brandstiftung eingeräumt

Ihr zweiter Anwalt Wolfgang Stahl erklärte: "Frau Zschäpe wollte die Nachbarin warnen und sicherstellen, dass sie sich nicht im Haus befindet. Dann ist die Annahme der Bundesanwaltschaft, dass hier eine Mordabsicht vorliegt, schlicht ausgeräumt."

Doch so einfach ist es nicht. "Man zündet ein Haus an und weiß, dass sich eine alte Frau darin befindet, man ist so sicher, dass es gleich brennt, dass man klingelt", kommentierte Alexander Hoffmann, Vertreter der Nebenklage die Erklärung der Zschäpe-Verteidigung. "Das macht es nicht besser, das ist kein Rücktritt von der Tat. Das verringert die Strafe nicht."

Wenn jemand sicher wisse, dass eine gebrechliche Frau in dem Haus ist, dann reiche es nicht zu klingeln. Aber immerhin habe die Verteidigung so eingeräumt, dass ihre Mandantin den Brand gelegt habe.

Die Verteidigung von Zschäpe beantragte, den ersten Anwalt von Zschäpe aus Jena zu vernehmen, dem sie angeblich, noch bevor sie sich bei der Polizei gestellt hatte, von dem Klingeln bei der Nachbarin erzählt hatte. Der Senat hat bereits Kontakt aufgenommen mit dem Anwalt, er könnte schon kommende Woche geladen werden.

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