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NSU-Prozess:Halbherzige Ermittlungen

NSU Trial Resumes After Summer Break

Mitangeklagter Carsten S.: Seinen Hinweisen ging das BKA wohl etwas lax nach.

(Foto: Getty Images)

Im NSU-Prozess offenbart ein BKA-Beamter, wie lax die Behörden teilweise ermitteln. Die Opferanwälte grillen den Zeugen Mirko Z. und fördern Interessantes zutage.

Als am Mittwoch zum ersten Mal nach der Sommerpause wieder im NSU-Prozess verhandelt wurde, hofften viele, dass es nun endlich Antworten von Beate Zschäpe auf die vielen Fragen der Nebenkläger geben würde. Sie wurden enttäuscht. Stattdessen standen an den ersten beiden Prozesstagen - Nummer 306 und 307 - Hinweise von Carsten S. im Vordergrund.

Carsten S., ehemaliger Rechtsextremist aus dem Dunstkreis der NSU-Unterstützer, sitzt im Gerichtssaal ganz hinten, er ist auch ein Angeklagter, allerdings ein geständiger: Er hat den Ermittlern unter anderem davon erzählt, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt angeblich eine Person angeschossen hätten. Doch wer war die angeblich getroffene Person?

F., ein Kriminaloberkommissar des Bundeskriminalamtes, antwortet knapp, aber in ganzen Sätzen. Er ging einem Hinweis von Carsten S. nach - wohl aber eher halbherzig. Zeuge F. schrieb in der Sache alle Landeskriminalämter an, Erfolg hatte die Suche nicht. Die Kriminalpolizei scheint etwas lax vorgegangen zu sein, so klingen zumindest die Ausführungen von F. Es mangelte an einheitlichen Kriterien, an Nachfragen, an Klarheit in der Kommunikation. Außerdem liefen die Ermittlungen parallel, möglicherweise ohne Wissen der Münchner Richter, kritisiert die Verteidigung des Angeklagten Ralf Wohlleben.

Mirko Z. ist ein Zeuge, dem man seine Gesinnung ansieht

Der zweite Hinweis von Carsten S., dem das Gericht an diesem Donnerstag nachging, dreht sich um eine Schlägerei in Jena. Dazu ist Mirko Z. geladen. Z. ist ein Zeuge, dem man seine Gesinnung ansieht: Stiernacken, Muskeln spannen sich unter seinem Hemd, seine blank rasierte Kopfhaut glänzt. Besagte Schlägerei hat sich 1998 an einer Straßenbahnhaltestelle zugetragen, neben dem sogenannten Winzerclub in Jena-Winzerla.

In den neunziger Jahren haben auch Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos diesen Jugendclub besucht. Das war, bevor sie abtauchten, bevor sie sich "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nannten, bevor die beiden Männer ihre Raub- und Mordzüge starteten, die zehn Menschen das Leben kosteten.

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Eine Meldung der Ostthüringer Zeitung berichtete von einer Schlägerei an einer Straßenbahnhaltestelle in Winzerla. Der Artikel stützt die Angaben von Carsten S., sagt aber nur, dass es eine Prügelei gab. Carsten S. hingegen räumt ein, mitgeprügelt zu haben und nennt auch den Namen Wohlleben, der ebenfalls mitgemacht haben soll.

Was er noch von der Schlägerei an der Tramhaltestelle im Sommer 1998 wisse, fragt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl den Zeugen Z. "Kann mich nicht erinnern", sagt Z. So geht das die ganze Zeit. Auf viele Fragen sagt Z. "Ja" und "Nein", manchmal auch "Weiß ich nicht", "Kann sein" oder "Möglich". Doch seine Einsilbigkeit wird Mirko Z. nicht helfen, als die Anwälte der Nebenklage ihn ins Kreuzverhör nehmen.