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Frankfurt:Zwei Personen wegen "NSU 2.0"-Drohmails vorläufig festgenommen

Polizei-Dienststelle in Frankfurt

In der Drohmail-Affäre der hessischen Polizei gab es erste Festnahmen. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

Der Ex-Polizist und seine Ehefrau seien am Freitag vorläufig festgenommen worden, mittlerweile aber wieder frei, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Im Ermittlungsverfahren um anonyme Drohmails mit dem Absender "NSU 2.0" ist ein Ehepaar aus Bayern vorläufig festgenommen worden. Beamte des hessischen Landeskriminalamts und der bayerischen Polizei hätten am vergangenen Freitag deren Wohnung in Landshut durchsucht und Datenträger sichergestellt, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit. Die beiden Personen seien anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt worden - die Voraussetzungen für einen Haftbefehl seien nicht erfüllt. Die Auswertung der sichergestellten Datenträger sowie die weiteren Ermittlungen dauerten an.

Bei den Beschuldigten handele es sich um einen 63-jährigen ehemaligen bayerischen Polizeibeamten, der bereits in der Vergangenheit wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten sei, und seine 55 Jahre alte Ehefrau. Die beiden seien verdächtig, mehrere E-Mails mit beleidigenden, volksverhetzenden und drohenden Inhalten an Bundestagsabgeordnete und verschiedene andere Adressaten verschickt zu haben. Gegen sie werde wegen des Verdachts der Bedrohung, der Volksverhetzung, der verfassungsfeindlichen Verunglimpfung von Verfassungsorganen sowie Beleidigungen ermittelt.

Wie der hessische CDU-Innenminister Peter Beuth vergangene Woche in einer Sondersitzung des Innenausschusses mitgeteilt hatte, sind bislang insgesamt 69 Drohschreiben mit dem Absender "NSU 2.0" versandt worden. Fast immer kamen sie von der gleichen Absenderadresse. Sie richteten sich an 27 Personen in acht Bundesländern. In drei Revieren seien über Polizeirechner Daten von den später bedrohten Frauen abgerufen worden.

Begonnen hatte die Serie im August 2018. Damals erreichte ein Fax die Kanzlei von Seda Başay-Yıldız. Es enthielt Beschimpfungen und - unter Anspielung auf den Fall eines islamistischen Gefährders, den die Frankfurter Rechtsanwältin verteidigt hatte - eine erschreckend konkrete Drohung: "Als Vergeltung für 10 000 Euro Zwangsgeld schlachten wir deine Tochter." Es folgten der Vorname der damals Zweijährigen und die korrekte Wohnanschrift der Anwältin. Als Absender firmierte: "NSU 2.0". Başay-Yıldız hat seither mehr als ein Dutzend ähnliche Drohschreiben erhalten.

Immer wieder: "NSU 2.0"

Aber sie blieb nicht die Einzige. Am 15. Februar 2020 ging die erste von mehreren Mails bei Janine Wissler ein, in denen der Fraktionschefin der Linken im hessischen Landtag ein "Tag X" angedroht wurde, an dem die Polizei sie nicht mehr beschützen können werde. Wieder tauchte die Formel "NSU 2.0" auf.

Bereits im März 2019 erhielt auch die Berliner Kabarettistin İdil Baydar Drohungen, sie werde "abgeknallt". Noch mehr derartige Hassschreiben gingen per SMS bei ihr ein, als bekannt wurde, dass sie im November 2019 in Frankfurt eine Rede zum Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln halten würde, bei dem 1992 drei Menschen ermordet wurden. Der Autor dieser Drohungen nannte sich nicht "NSU 2.0", sondern "SS-Obersturmbannführer".

© SZ.de/dpa/epd/jobr/ghe
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