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Nordrhein-Westfalen:Ansturm auf Corona-Teststationen

Schon um Mitternacht standen die Menschen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf am Donnerstag vor den Corona-Teststationen an. Denn wer im Urlaub an die See oder in die Berge will, braucht eine aktuelle Unbedenklichkeitsbescheinigung.

Von Jana Stegemann, Düsseldorf

Die Meldung vom Kreis Gütersloh endet mit dem Hinweis: "Wer sich testen lassen möchte, sollte sich auf längere Wartezeiten einstellen, sich mit Sonnenschutz und Getränken ausstatten und gegebenenfalls einen Klappstuhl mitnehmen." Schon kurz nach Mitternacht standen am Donnerstag Menschen aus dem ostwestfälischen Gütersloh und dem münsterländischen Warendorf an Corona-Teststationen an. Stundenlang warteten die Menschen auf einen Abstrich, es kam teilweise zu chaotischen Szenen. Seit NRWs Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) das öffentliche Leben in den beiden Kreisen nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies stark eingeschränkt hatte, begann der Ansturm. Denn am Samstag startet NRW in die Sommerferien. Wer aus den beiden Kreisen in anderen Bundesländern Urlaub machen will, braucht vor allem für die Küsten und die Alpen einen negativen Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden ist. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) versprach, dass im Kreis Gütersloh ab Freitag 10 000 Corona-Tests pro Tag möglich seien. Seit Donnerstagabend gibt es dort für die 370 000 Menschen nun sechs Teststationen.

NRWs Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte im Gesundheitsausschuss des Landtags, dass von bisher 2000 ausgewerteten Tests nur einer positiv gewesen sei. Die Landesregierung will mit den kostenlosen Massentests bis zum 30. Juni herausfinden, ob und in welchem Ausmaß die Bevölkerung außerhalb der Schlachthofbelegschaft infiziert ist. Laut Robert-Koch-Institut sank die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen im Kreis Gütersloh auf 192,8. Am Dienstag betrug der Wert noch 270,2. Im Kreis Warendorf sank der Wert auf 50,4.

Weil derzeit auch alle Mitarbeiter von NRW-Schlachthöfen getestet werden, wurde bekannt, dass sich bei einem Dönerfleisch-Produzenten in Moers 79 Angestellte infiziert haben. Anders als bei Tönnies gibt es dort aber keine Werkverträge und Massenunterkünfte.

Thema im Gesundheitsausschuss war auch die Ursache für den gewaltigen Ausbruch bei Tönnies. Eine erste Welle von Infizierten gab es nach Ministeriumsangaben Mitte Mai im Zusammenhang mit einer "kirchlichen Veranstaltung". Der Kreis Gütersloh teilte mit, dass einige Infizierte einen Gottesdienst am 17. Mai besucht hätten. Ob diese Veranstaltung Grund für den Corona-Ausbruch bei Tönnies ist, ist aber völlig offen. Ein Kreissprecher sagte, erste Infizierte habe es bereits vor Wochen im Zusammenhang mit Rückreisenden aus dem Urlaub gegeben.

© SZ vom 26.06.2020

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