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NPD-Satire bei Facebook:Von Weltraum-Nazis und Blitzkriegern

Das Verfassungsgericht entscheidet 2013 über ein NPD-Verbot. Inzwischen zerlegen Satiriker die Partei bei Facebook. Denn ob Homosexuelle oder feministische Muslimas - in sehr speziellen "Arbeitskreisen" widmen sich Nutzer den Gesellschaftsgruppen, die bisher von den Rechtsradikalen vernachlässigt wurden.

Von Antonie Rietzschel

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Quelle: Screenshot: Facebook.com

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Während das Bundesverfassungsgericht 2013 über ein NPD-Verbot entscheiden soll, zerlegen Satiriker die Partei bei Facebook. Denn ob Homosexuelle oder feministische Muslimas - in speziell gegründeten Arbeitskreisen widmen sich Nutzer den Gesellschaftsgruppen, die von der NPD bisher vernachlässigt wurden.

"Sollte die NPD verboten werden?" - auf ihrer eigenen Facebook-Seite hat die Partei eine Umfrage zu dem Thema gestartet. Das Ergebnis ist erwartbar: Mehr als 2000 Teilnehmer sind dagegen, aber immerhin mehr als 700 haben die Antwortmöglichkeit "Ja, aber schnell" angeklickt.

Seit Anfang 2010 hat die NPD einen eigenen Facebook-Auftritt, mit Schlagzeilen wie "Heute Tolerant und morgen fremd im eigenen Land!" oder "CDU wählt vier nichtdeutsche Ausländer-Lobbyisten in ihre Spitzengremien" hat sie mittlerweile fast 30.000 Gefällt-mir-Klicks erreicht.

Fast jeder Landesverband ist mehr oder weniger erfolgreich auf Facebook vertreten. Dazu kommen noch fast 200 NPD-Arbeitskreise - doch dahinter steckt keineswegs rechtsextreme Propaganda: Während die Bundesländer ein neues NPD-Verbotsverfahren wagen, zerlegen Facebook-Nutzer die Partei mit dem Mittel der Satire.

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So sammelt der "Arbeitskreis der fleißigen Tränentrockner von Frank Franz in der NPD"  Zitate des Pressesprechers der rechtsextremen Partei. Franz' Hinweis, dass sein Facebook-Profil gelöscht wurde, kommentieren sie mit: "Och Franzerl, das kommt davon wenn man Dinge auf seiner Seite veröffentlicht, die gegen die Community-Standards verstoßen" Und in einem Geburtstagsgruß wünscht der Arbeitskreis dem NPD-Mann "Einsicht, Intelligenz, Überblick, Niveau und Gewissen".

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Der "Arbeitskreis Schwule in der NPD"  veröffentlicht bei Facebook Artikel über Homophobie, aber auch Profilbilder männlicher NPD-Mitglieder.

Den Satire-Arbeitskreis gibt es seit Dezember 2011, es handelte sich um einen der ersten, der bei Facebook gegründet wurde - als Reaktion auf den "Arbeitskreis der Christen in der NPD", der in dem Netzwerk gegen den Islam hetzt und von Anhängern der rechtsextremen Partei betreut wird.

"Am Anfang dienten die Arbeitskreise vor allem dazu, Naziseiten bei Facebook voll zu spammen", schreibt einer der Administratoren des "Arbeitskreises Schwule in der NPD" auf Anfrage. Mittlerweile würden sie jedoch auf den entsprechenden Seiten blockiert.

Hinter der Satire steckt ein ernsthaftes Anliegen: Die rechtsextreme Szene ist verstärkt bei Facebook aktiv, wie eine aktuelle Studie der von der Bundesregierung unterstützten Kampagne Jugendschutz.net zeigt. Hier ist es einfach, sich zu vernetzen und gleichzeitig vergleichsweise anonym zu bleiben. Die Arbeitskreise versuchen gegen diese Entwicklung anzugehen.

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So dokumentiert der "Arbeitskreis Operation Blitzkrieg in der NPD" rechtsextreme Aktivitäten im Netz. Auf der Seite vermelden die Macher erfolgreiche Hacker-Angriffe auf rechtsextreme Internetseiten. "Operation Blitzkrieg" setzt sich nach eigener Auskunft aus Hackern aus der Umgebung der Internet-Aktivisten von Anonymous zusammen. Im Juli 2012 legten sie die rechte Internetseite Deutschlandecho lahm. Außerdem sorgten sie dafür, dass das rechte Portal Altermedia Deutschland für mehrere Wochen offline gehen musste.

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Der "Arbeitskreis Weltraum-Nazis in der NPD" hat sich der Legende angenommen, die Nazis seien mithilfe eines Ufos, auch "Reichsflugscheibe" genannt, auf den Mond geflogen. Auf der Facebook-Seite posten die Macher vor allem Bildcollagen: Ein Soldat der Wehrmacht schüttelt die Hand eines Ewoks, einem knuddeligen Wesen aus Star Wars. Dazu gibt es eine Umfrage über den Namen des neuen Reichsmaskottchens. Derzeit liegt "Braunie" vorn.

Die Idee für die Seite kam den Machern nachdem sie die Filmsatire "Iron Sky" über den Mythos der Weltraum-Nazis gesehen hatten. "Wir waren sehr verwundert, dass wir auf einschlägigen Internetseiten entdeckt haben, wie sehr dieser Mythos doch verbreitet ist. Mit dieser Steilvorlage gründeten wir somit diese Seite", schreiben die Macher in einer Nachricht.

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Der Rechtschreibschwäche, die innerhalb der Partei zu herrschen scheint, haben sich bereits mehrere Arbeitskreise angenommen. So auch der "Förder- und Arbeitskreis Deutsch für Nazis in der NPD", der Grammatik - und Rechtschreibfehler in Parteipublikationen, aber auch auf Plakaten aufs Korn nimmt..

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Eine der populärsten Arbeitskreise trägt den Titel "Feministische Muslimas in der NPD". Mehr als tausend Facebook-Nutzer haben auf dieser Seite bereits den Like-Button angeklickt. Wahrscheinlich gerade wegen des Namens - inhaltlich weist die Seite kaum Besonderheiten auf.

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Das Thema V-Leute wird nicht erst seit dem erneuten Anlauf für ein NPD-Verbotsverfahren mit einem Arbeitskreis gewürdigt. Über einem Video mit dem Titel "Pastörs liefert Gründe für Parteiverbot" schreiben die Macher der Seite: "Nachher stellt sich heraus, dass der Udo einer von uns war." In dem Video hetzt der NPD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern gegen Juden. Verbale Ausfälle wie diese könnten in dem Parteiverbotsverfahren auch eine Rolle spielen.

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Doch was passiert mit all den Facebook-Seiten wenn die NPD verboten werden sollte? Diese Frage stellt sich auch der "Arbeitskreis der Hans Söllner-Fans", der einem bayerischen Liedermacher huldigt. Einfach umbennen, findet ein Nutzer: "Arbeitskreis der Hans Söllner Fans in der verbotenen NPD". Doch bis diese Entscheidung getroffen werden muss, wird es noch eine Weile dauern: Die Verbots-Klage wird aber erst im Frühjahr 2013 erwartet, eine Entscheidung der Verfassungsrichter nicht vor der Bundestagswahl im September 2013.

© Süddeutsche.de/mikö/lala

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