Nordkorea:Nordkorea und Pakistan brachten sich gegenseitig bei, raffinierte Bomben zu bauen

Khan selbst veröffentliche später ein Papier ("Geheim - nur per Hand zu übergeben") des Sekretärs der Kommunistischen Partei Nordkoreas an ihn. Darin wird beschrieben, wie hochrangige pakistanische Militärs darüber hinaus von Nordkorea für den Technologie-Transfer mit 3,5 Millionen Dollar, Diamanten und Rubinen bestochen wurden.

Die Echtheit des Briefes wurde nie endgültig bewiesen. Als unstrittig gilt, dass in Khans Laboratorien nordkoreanische Atomwissenschaftler ein- und ausgingen. Zwei Dritte-Welt-Staaten brachten sich gegenseitig bei, raffinierte Bomben zu bauen. Nordkorea brachte dabei die Technologie zur Herstellung von hochpräzisen Krypton-Zündern mit, eine Voraussetzung für eine nukleare Explosion.

Auch Deutschland hat seine Erfahrungen: Hier fiel in den späten Neunzigerjahren ein nordkoreanischer Diplomat namens Yun Ho-jin auf, der versuchte, in großem Umfang Teile für das Zentrifugen-Programm anzukaufen. Besonders dreist war, dass er offiziell als stellvertretender Botschafter seines Landes bei der IAEA firmierte.

"Kein Kern, kein Krieg"

Als endgültigen Beweis dafür, dass man Nordkorea alles zutrauen muss, gilt aber ein Vorfall im April 2007. Im Büro des damaligen CIA-Chefs Michael Hayden erschien ein Vertreter der israelischen Geheimdienste und legte Dutzende Fotos eines rätselhaften Gebäudes im Osten der syrischen Wüste vor. Bereits einen Tag später wurde Präsident George W. Bush informiert: Es handele sich um einen Nachbau des nordkoreanischen Reaktors in Yongbyon; die Nordkoreaner hätten ihn auch gebaut.

Der Einsatz von US-Kampfjets oder Spezialeinheiten wurde geprüft, aber Bush lehnte ab. Noch fehlte das spaltbare Material in dem Reaktor, "kein Kern, kein Krieg," hieß es im Weißen Haus. Schließlich zerstörten israelische Jets das Kraftwerk.

Nach dem Vorfall suchten amerikanische Satelliten, ob möglicherweise an einem anderen Ort eine Kopie von Yongbyon entstanden ist. Bis heute gibt es darauf keine Hinweise. Ebenso wenig wie für den damals gestreuten Verdacht, dass vielleicht auch die Iraner eng mit den Nordkoreanern im Atombereich kooperierten, in den Reaktorbau in Syrien verwickelt waren und ihn finanzierten. Sogar die Behauptung, dass iranische Abgesandte bei nordkoreanischen Atombombentests dabei waren, kam auf. Nichts davon aber ließ sich beweisen.

In der Raketentechnologie gilt Nordkorea heute als erstaunlich erfolgreich. Manches spricht dafür, dass sie dabei früh auf Hilfe aus dem Ausland setzen konnten. Im Oktober 1992 stoppten Moskauer Behörden am Flughafen Scheremetjewo 60 russische Raketenwissenschaftler, die mit ihren Familien gerade an Bord eines Flugzeugs nach Pjöngjang gehen wollten.

Später versuchte es das Regime mit Spionage: 2012 verhaftete der ukrainische Geheimdienst zwei Nordkoreaner, die versucht hatten, einen Angestellten des Raketenproduzenten Yuzhnoye (Juschnoje) zu bestechen. Die Ermittlungsakten zeigen die Fotos zweier Männer mit hartem Blick, beide waren mit nordkoreanischen Dienstpässen ausgestattete Spione, ihr Arbeitgeber: das Außenministerium in Pjöngjang. Bis heute sitzen sie in Haft.

Scheiterten die Nordkoreaner 2012 - und waren am Ende doch noch erfolgreich? Fliegt die nordkoreanische Hwasong-Rakete tatsächlich mit einem Triebwerk vom Typ RD-250, das die Sowjetunion einst entwickelte, um Washington und New York erreichen zu können? Das sei "absolut unmöglich", versicherte die ukrainische Regierung. Die Produktion sei bereits 1991 eingestellt worden, außerdem habe man nur Teile hergestellt und diese nach Russland geliefert.

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