bedeckt München 23°
vgwortpixel

Niedersachsen:Aygül Özkan - Ministerin für Vorsicht

"Sie wirkt wie gehemmt": Nach ihrem schlechten Start in Niedersachsen ist Deutschlands erste türkischstämmige Ministerin Aygül Özkan peinlich bemüht, weitere Fehler zu vermeiden.

Es gab Rouladen von Auberginen, Köfte und Börek. Der Bischof der Landeskirche kam, eine CDU-Abgeordnete hatte die Schirmherrschaft übernommen, die Spitzen der Landtags-Fraktionen waren da. Das Fest war eine kleine Sensation für Düsternort, das Hochhaus-Viertel in Delmenhorst, wo viele Muslime leben. Zum ersten Mal feierten die Mevlana-Moschee und die Kirchengemeinde Zu den Zwölf Aposteln gemeinsam das Iftar-Mahl, das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang im Ramadan. Erwartet wurde auch eine Ministerin, für die das Fest die ideale Bühne gewesen wäre. Mit ihrer herzlichen Art kann sie Distanz schnell überbrücken. Das ist einer ihrer Stärken, so hat Aygül Özkan manch skeptischen Konservativen für sich eingenommen.

Niedersächsischer Landtag

Unter Beobachtung: Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Özkan

(Foto: dpa)

Niedersachsens Integrationsministerin sagte nahezu im letzten Moment ab. Sie habe am nächsten Morgen ein wichtiges Gespräch mit einem Vertreter aus dem Kanzleramt und müsse sich einarbeiten, hieß es aus dem Ministerium.

In Delmenhorst waren sie ein bisschen enttäuscht. Und schnell kamen Zweifel an den Gründen der Ministerin auf. Selbst in ihrer schwarz-gelben Koalition in Hannover wollten manche nicht an ihre Version glauben. Kolportiert wird eine andere Geschichte: Über die Mevlana-Gemeinde in Delmenhorst kursierten Berichte, sie stehe der islamistischen Gemeinschaft Milli Görus nahe. Da habe Özkan vermeiden wollen, dass ihr wieder ein Missgeschick heikle Schlagzeilen einbringt. Weil sie unter besonderer Beobachtung steht - auch bei Regierungschef David McAllister.

Nein, dies ist nicht wieder eine Panne in der jungen Ministerinnen-Karriere der Aygül Özkan aus Hamburg, deren Ernennung durch Christian Wulff vor gut 100 Tagen eine Sensation war, die aber schon vor der Amtsübernahme mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wurde, weil sie sich gegen Kruzifixe in Klassenzimmern ausgesprochen hatte. Sie musste sich entschuldigen, Wulff brachte sie auf Linie. Danach hat sie noch einmal Schlagzeilen gemacht, wieder rollte eine Welle der Empörung, diesmal korrigierte der neue Regierungschef. In ihrem Haus war, ohne ihr Zutun, eine Medien-Charta entworfen worden, mit der sich Journalisten verpflichten sollten, bei der Berichterstattung über Integration eine "kultursensible Sprache anzuwenden". Die Sache ist inzwischen vom Tisch.

Lesen Sie weiter, um die zwei Seiten der Ministerin kennenzulernen.