Neuseeland nach dem Attentat "Das sind nicht wir"

Trauer in Christchurch: Nahe des Attentatsorts gedenken die Menschen der Opfer.

(Foto: Getty Images)

Am Tag nach dem Attentat auf zwei Moscheen gedenken die Menschen in Christchurch der Opfer. Und sie machen deutlich, wofür sie und ihr Land stehen wollen.

Von Felix Haselsteiner, Christchurch

Für einen kurzen Moment könnte man glauben, dass alles nur ein schlimmer Traum gewesen ist, so ruhig liegt der Hagley Park in den frühen Morgenstunden des Samstags da, so normal hört sich das Vogelgezwitscher an, so entspannt läuft ein Jogger auf einem der Wege entlang, die den großen Park im Zentrum Christchurchs durchkreuzen. Erst beim zweiten Hinsehen rückt das rot-weiße Absperrband der Polizei ins Blickfeld, dann auch die schwer bewaffneten Wachen, die den Ort absichern, an dem am Freitagnachmittag um 13.40 Uhr Ortszeit ein oder mehrere Attentäter das Feuer auf betende Muslime eröffnete.

Bei dem Anschlag am Freitag waren 49 Menschen getötet worden, Dutzende Menschen werden immer noch in Krankenhäusern behandelt. Die Masjid-Al-Noor-Moschee, die an der Westseite des Hagley Parks liegt, war der erste Schauplatz des grauenvollen Attentats von Christchurch, der zweite war eine kleinere Moschee etwas außerhalb der Stadt. Am Samstag jedoch zeigt sich recht schnell, dass die größte muslimische Glaubensstätte Christchurchs der Ort ist, zu dem sich die Bewohner der Stadt hingezogen fühlen, an dem sie gedenken möchten.

Im Verlauf des Vormittags kommen immer mehr Leute an die Westseite des Parks. Erst wissen sie nicht recht, wo sie die Blumen und Kondolenzkarten, die sie mitgebracht haben, ablegen sollen, doch dann wird eine Verkehrsinsel auf einer abgesperrten Kreuzung, etwa dreihundert Meter von der Moschee entfernt, zum Versammlungsort der Trauernden.

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Im Auto des mutmaßlichen Attentäters seien weitere Waffen gefunden worden, sagt Neuseelands Premierministerin Ardern. Der 28-jährige Australier ist inzwischen offiziell des Mordes angeklagt worden.

Auch wenn sich mehr und mehr Menschen um jene Verkehrsinsel einfinden, unter dem unangenehm rhythmischen, gelbblinkenden Licht der Ampel, die normalerweise die Zufahrt in das Wohnviertel regelt, in dem die Moschee liegt, bleibt Stille über dem Geschehen. Manche Trauernde stehen regungslos neben orangenen Warnkegeln, manche sitzen mitten auf der Kreuzung und haben den Kopf in die Arme gelegt. Andere haben ihre Kinder mitgebracht, diese liegen ihren weinenden Müttern und Vätern in den Armen. Die Szenerie am Tag nach dem Attentat zeugt von der Trauer und Einfühlsamkeit der Stadtbewohner.

An ein gelbes Straßengeländer gelehnt berichtet Maree Dennehy, eine Rentnerin, die auf der Rückseite der Moschee wohnt, davon, wie sie am Freitag um 13.40 Uhr aus dem Haus ging und sich wunderte, wer um diese Zeit ein Feuerwerk veranstaltete: "Ich dachte mir im ersten Moment nicht allzu viel und stieg in mein Auto, dann bog ich um die Ecke und fuhr an der Moschee vorbei, wo einige Menschen auf dem Bürgersteig standen. Gerade als ich vorbeifuhr, kippte plötzlich einer aus dieser Gruppe um, dann der nächste - erst da realisierte ich, dass auf diese Menschen geschossen wurde." Dennehy floh zitternd und paralysiert vom Tatort zum Haus ihrer Schwester, erst beim Hören der Nachrichten wurde ihr das Ausmaß des Attentats bewusst, das sie gerade gesehen hatte.

Tags darauf strahlt die ältere Frau eine bemerkenswerte Ruhe aus. Als ein Angehöriger zweier Opfer versucht, unter lautstarkem Protest die Absperrungen zu durchqueren, um zum Tatort zu gelangen, geht sie zu dem Mann und redet beruhigend auf ihn ein. Sie kennt die Menschen, die in ihrer Nähe beten. "Auch wenn ich keine Muslimin bin, war ich öfter zu Besuch in der Moschee", erzählt sie: "Es gab immer wieder Veranstaltungen, zu denen ich gegangen bin. Es war immer eine freundliche Nachbarschaft."