Nato-Gipfel in Chicago:Gründe, die Nato wieder zu neuem Leben zu erwecken

Alle Versuche, der Nato eine neue Identität zu geben, sind bisher gescheitert. Das strategische Konzept ist ein Meisterwerk in der Verschleierung der Gegensätze. Und seit der Erweiterung nach Osten zieht sich ein zusätzlicher Riss durch die Nato: Ihre östlichen Mitglieder sehen in Russland immer noch die größte Gefahr, während die westlichen Staaten Moskau zu einem engen Partner machen wollen.

Das alles passt nicht zusammen und es lässt sich auch mit noch so schönen Worten nicht passend machen. Die Nato ist heute ein Instrument, das von seinen Inhabern gebraucht und manchmal auch missbraucht wird. Wie von Frankreich und Großbritannien, als die den Krieg in Libyen der Nato aufluden. In Afghanistan hat die Nato beweisen wollen, dass sie eine Macht für das Gute in der weiten Welt sein kann. Das ist schiefgegangen, auch weil die Verhältnisse in Afghanistan von außen so wenig zu beeinflussen sind. Gescheitert ist auch das Konzept, die Allianz zum Ort für die sicherheitspolitische Debatte der transatlantischen Welt zu machen. Daran hatten nur wenige ein Interesse.

Große Organisationen wie die Nato, denen Ziel und Auftrag abhandengekommen sind, sterben nicht, sie dämmern dahin. Dabei gibt es zumindest zwei gute Gründe, sie wieder zu neuem Leben zu erwecken. Im Nahen Osten und in Nordafrika brauen sich Kriegsgefahren zusammen, gegen die ein funktionierendes Verteidigungsbündnis eine kluge Reserve wäre. Und weltweit wächst der Bedarf nach vernetzter Sicherheit. Eine Nato freilich, die ihre Probleme verdrängt, nutzt da wenig.

Will die Nato noch etwas bewegen, dann wird sie Klarheit über ihren Zustand schaffen müssen. Am Ende könnte zwar die Erkenntnis stehen, dass die Allianz keine mehr ist. Aber dieses Risiko ist erträglicher als die Aussicht auf weitere Jahre im politischen Koma.

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