Nahostkonflikt:Nach dem Krieg kein Frieden

Nach dem Krieg im Gazastreifen entfachte die Waffenruhe ein Fünkchen Hoffnung. Doch es folgte der gewohnte Reigen blutiger Anschläge und brutaler Reaktionen. Die jüngste Eskalation in Bildern.

Von Markus C. Schulte von Drach

11 Bilder

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Quelle: AFP

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26. August 2014

Nach fast zwei Monaten Krieg im Gazastreifen vereinbart die palästinensische Hamas, die dort die Kontrolle ausübt, eine unbefristete Waffenruhe mit Israel. Vorherige Versuche, die Gewalt über Diplomatie zu beenden, waren gescheitert. Nach Vermittlungen mit Hilfe Ägyptens beendet die israelische Armee den Beschuss des Palästinensergebietes, die Hamas und andere Milizen kündigen an, keine Raketen mehr auf israelisches Gebiet abzufeuern. Beide Seiten erklären sich zu Siegern der Auseinandersetzung. Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben im Gazastreifen fast 2200 Palästinenser, davon fast 1500 Zivilisten, darunter mehr als 500 Kinder. Israel zählt 71 Tote, darunter vier Zivilisten. Fast 20 000 Häuser im Gazastreifen sind zerstört, mehr als 100 000 Menschen obdachlos.

Auslöser für den Krieg war die Ermordung von vier jungen Menschen. Mitte Juni hatten Hamas-Mitglieder drei junge Israelis entführt und getötet. Am 2. Juli wurde die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden, der vermutlich von Israelis ermordet worden war. Daraufhin kam es zu gewalttätigen Demonstrationen von Palästinensern in Jerusalem. Milizen im Gazastreifen feuerten Raketen auf Israel ab. Am 8. Juli reagierte die israelische Armee mit Luftangriffen. Schließlich begann eine israelische Bodenoffensive an der Grenze des Gazastreifens. Sieben Wochen später gelingt es nach etlichen vergeblichen Vermittlungsversuchen von US-Außenminister John Kerry, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den Außenministern Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands, die Waffen zum Schweigen zu bringen.

Auf dem Bild: Der Bezirk Shejaiya im Norden von Gaza-Stadt

69th session of the United Nations General Assembly

Quelle: dpa

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26. September

In seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen wirft Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Israel "völkermordähnliche Verbrechen" im Gazakrieg vor. "Es war der dritte rassistische Krieg innerhalb von fünf Jahren", sagt Abbas und fordert das Ende der Besetzung der Palästinensergebiete. Auch droht er den Verantwortlichen in Israel damit, sie wegen Kriegsverbrechen verfolgen zu lassen. Die USA kritisieren die "provozierenden Äußerungen".

Zuvor war Israel vom Gazastreifen aus wieder mit einer Mörsergranate beschossen worden. Trotzdem hatten sich Israelis und Palästinenser in Ägypten getroffen, um über die Öffnung der Grenzübergänge zu sprechen.

John Kerry, Mahmoud Abbas

Quelle: AP

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12. Oktober

In Kairo, Ägypten, findet eine internationale Geberkonferenz für den Gazastreifen statt. Eine Reihe von Staaten kündigt an, den Wiederaufbau dort mit etwa 4,3 Milliarden Euro zu unterstützen. Bereits während des Gazakriegs hatte die EU erklärt, Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Europäer unterstützen die Palästinensische Autonomiebehörde unter Abbas seit Jahren finanziell. Insgesamt fließen jährlich etwa 450 Millionen Euro als Hilfe an die Menschen im Gazastreifen und dem Westjordanland, unter anderem zur Verbesserung der Infrastruktur. Die Hilfe, die jetzt in Kairo vereinbart wird, verbinden die westlichen Länder mit Forderungen nach neuen Friedensgesprächen.

Im Bild: Palästinenserpräsident Abbas (re.) und US-Außenminister Kerry vor Beginn der Geberkonferenz

Israelis stand behind a police barrier next to a car wreck in Jerusalem

Quelle: REUTERS

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22. Oktober

Bei einem mutmaßlichen Anschlag fährt ein 21-jähriger Palästinenser in Jerusalem mit einem Auto in die Menschenmenge an einer Straßenbahnhaltestelle. Ein drei Monate altes Baby stirbt, mindestens acht weitere Menschen werden teils schwer verletzt - darunter eine Besucherin aus Ecuador, die später ihren Verletzungen erliegt. Der Täter wird von Sicherheitskräften angeschossen und stirbt am Tag darauf. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon macht die Palästinensische Autonomiebehörde mitverantwortlich für den Anschlag, da sie ihren Kindern beibringe, Juden zu hassen und von ihrem Heimatland zu vertreiben. Anders als sonst häufig, bezeichnet die Familie des mutmaßlichen Täters aus Ostjerusalem diesen nicht als Märtyrer. Sie spricht von einem Verkehrsunfall. In Ostjerusalem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Steinewerfern und der Polizei. Die Palästinenser sind erbost über den Zuzug von immer mehr israelischen Siedlern in arabische Viertel.

Zwei Tage nach dem Anschlag erschießen israelische Soldaten im Westjordanland einen palästinensischen Jugendlichen.

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Quelle: Mahmoud Illean/AP

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29. Oktober

In Westjerusalem wird der rechtsgerichtete jüdische Rabbi Yehuda Glick von einem Palästinenser angeschossen und schwer verletzt. Glick ist der Vorsitzende der Tempelbergstiftung, die sich dafür einsetzt, dass Juden freien Zugang zum Tempelberg erhalten. Dieser ist sowohl für Muslime als auch für Juden eine heilige Stätte. Beten dürfen dort jedoch nur Muslime. Die Befürchtung, es würde auch den Juden erlaubt, dies zu tun, hatte bereits zuvor zu Ausschreitungen von Palästinensern geführt. Nach dem Anschlag wird der Zugang zum Tempelberg für Juden und Moslems gesperrt. Israelische Sicherheitskräfte töten den mutmaßlichen Täter bei einem Schusswechsel in dessen Haus in Ostjerusalem.

Clashes In East Jerusalem After Israeli Activist Shooting

Quelle: Getty Images

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30. Oktober

Nachdem der mutmaßliche Glick-Attentäter tot ist, kommt es in Ostjerusalem zu Ausschreitungen und zur Inhaftierung etlicher Palästinenser. Der Tempelberg wird vor dem großen Freitagsgebet der Muslime wieder freigegeben - für Frauen und Männer über 50 Jahren. Palästinenserpräsident Abbas hatte zuvor erklärt, die Sperrung komme einer "Kriegserklärung" gleich.

Jeffrey Feltman, stellvertretender UN-Generalsekretär, fordert Israel auf, den Siedlungsbau zu stoppen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei von den neuesten Plänen Israels alarmiert, da diese "wieder einmal ernste Zweifel an Israels Willen wecken, dauerhaften Frieden zu erreichen".

***BESTPIX***A Driver Rams His Car Into Pedestrians In Suspected East Jerusalem Terror Attack

Quelle: Getty Images

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5. November

In Ostjerusalem rast ein Palästinenser mit einem Kleinbus in eine Gruppe von Menschen an einer Bushaltestelle und greift danach mit einer Eisenstange weitere Personen an. Der Täter tötet bei seinem Anschlag einen Menschen und verletzt 13 weitere, bevor die Polizei ihn erschießt. Die Hamas bekennt sich zu dem Anschlag, den sie als mutige Reaktion auf die israelische Politik bezeichnet. Israels Ministerpräsident Netanjahu macht nicht nur die Hamas, sondern auch Palästinenserpräsident Abbas für die Tat verantwortlich. Am Abend fährt ein weiterer Kleinbus in eine Gruppe von Menschen im Westjordanland. Drei israelische Soldaten werden verletzt. Auf dem Tempelberg kommt es zu Ausschreitungen von Palästinensern. Sicherheitskräfte gehen auf dem Gelände der Al-Aksa-Moschee gegen eine Gruppe von Vermummten vor, die sie mit Steinen bewirft, und drängen diese in die Moschee hinein.

Wenige Tage später kündigt Israels Ministerpräsident Netanjahu an, Kundgebungen, die zur Zerstörung Israels aufrufen, zu unterbinden. In arabischen Ortschaften in Nordisrael findet aus Protest gegen den Tod eines jungen Mannes ein Generalstreik statt. Der 22-Jährige war in der Stadt Kafr Kana unter umstrittenen Umständen von der Polizei erschossen worden.

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Quelle: AFP

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10. November

Ein Palästinenser aus dem Westjordanland greift an einer Bahnstation in Tel Aviv (Bild) einen israelischen Soldaten mit einem Messer an und verletzt ihn lebensgefährlich. Wenige Stunden später attackiert ein weiterer Palästinenser bei der israelischen Siedlung Allon Schewut im Westjordanland Israelis mit einem Messer, die an einer Haltestelle warten. Dabei verletzt er drei Israelis, darunter eine junge Frau tödlich. Ein Wachmann schießt den Täter an, der seinen Verletzungen erliegt. Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett beschimpft Palästinenserpräsident Abbas als "Terroristen im Anzug". Vor der Küste des Gazastreifens zerstört die israelische Marine ein mutmaßliches Schmugglerboot und verletzt dabei zwei Fischer.

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Quelle: Ahmad Gharabli/AFP

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17. November

Ein palästinensischer Busfahrer wird erhängt in seinem Fahrzeug im Busdepot aufgefunden. Die israelische Polizei vermutet einen Suizid und lässt den Fall untersuchen. Die Familie des Mannes spricht allerdings von Lynchmord durch Israelis. Es kommt zu heftigen Protesten von Palästinensern an der israelischen Sperranlage in Abu Dis in Jerusalem, wo die Familie des Toten lebt.

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Quelle: AFP

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18. November

Zwei Palästinenser aus Ostjerusalem dringen mit einer Axt, mit Messern und einer Pistole bewaffnet in eine Synagoge im Stadtteil Har Nof ein. Sie greifen die dort Betenden an, töten vier Rabbiner und verwunden mehrere Menschen. Ein Polizist erliegt später seinen Verletzungen. Die beiden Angreifer werden von Sicherheitsleuten erschossen. Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) erklärt, es habe sich um Mitglieder ihrer Gruppe gehandelt.

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Quelle: AFP

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18. November

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärt, sein Land befände sich in einem "Kampf um Jerusalem, unserer ewigen Hauptstadt". In diesem Kampf müssten die Israelis zusammenhalten. Er kündigt die Zerstörung der Häuser von Angreifern an. Aktuelle Bilder zeigen, dass Sicherheitskräfte am 19. November das Heim der Familie des Attentäters vom 22. Oktober verwüstet haben. Auch die Gebäude, in denen zwei der Entführer der israelischen Jugendlichen vom Juni des Jahres gelebt hatten, waren gesprengt worden. Mit jedem Anschlag von Palästinensern und mit jeder gewaltsamen Reaktion der Israelis darauf sinkt die sowieso geringe Hoffnung auf Friedensgespräche und eine Lösung des Nahostkonflikts weiter.

© Süddeutsche.de/mane
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