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Nahostkonflikt:Erdoğan nennt USA "Komplizen beim Blutvergießen" in Nahost

Spart nicht mit drastischen Worten an die USA: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

(Foto: AP)
  • Mit drastischen Worten gibt der türkische Präsident Erdoğan den USA eine Mitschuld an der jüngsten Gewalt in Nahost.
  • "Die Amerikaner sind zu Komplizen bei diesem Blutvergießen geworden durch ihre Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen", sagt er.
  • Israels Regierungschef Netanjahu fordert hingegen die Europäer auf, es den USA gleichzutun.

Recep Tayyip Erdoğan gibt den USA eine Mitschuld am Wiederaufflammen der Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten. "Die Amerikaner sind zu Komplizen bei diesem Blutvergießen geworden durch ihre Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen", sagte der türkische Präsident in einer Rede in Ankara. "Diejenigen, die aus Jerusalem einen Kerker für Muslime und die Mitglieder anderer Religionen gemacht haben, werden nie das Blut von ihren Händen waschen können."

Die Türkei werde diese Entscheidung niemals anerkennen, sagte Erdoğan. Der "Kampf" der Muslime werde erst mit der Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates enden. Erdoğan zeigte sich zudem überzeugt, dass der Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) am Mittwoch in Istanbul ein "Wendepunkt" sein werde.

Erdoğan hatte vergangene Woche als amtierender OIC-Vorsitzender die 57 Mitgliedstaaten eingeladen, um über eine konzertierte Antwort auf Trump zu beraten. Er dringt dabei auf eine harte Reaktion. Bereits am Wochenende hatte Erdoğan Israel scharf angegriffen und einen "Terrorstaat" genannt.

Auch Iran legte bei seiner Kritik an der US-Entscheidung nach. US-Präsident Donald Trump "beschleunigt die Zerstörung des zionistischen Regimes und wird die Muslime doppelt stark einen", sagte Verteidigungsminister Amir Hatami.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu nutzte unterdessen ein Treffen mit den EU-Außenministern in Brüssel, um von der EU ein Umdenken zu fordern. Europa solle dem Beispiel der USA folgen und Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen, sagte Netanjahu. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini widersprach ihm.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump Unruhen in Jerusalem und den Palästinensergebieten ausgelöst, als er bekanntgab, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen und die Stadt damit de facto als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen. Trump hatte zugleich erklärt, damit eine Zwei-Staaten-Lösung weiterhin nicht auszuschließen - diese ist jedoch durch seine Entscheidung unwahrscheinlicher geworden.

Viele Staaten, insbesondere aus der muslimisch geprägten Welt, verurteilten den Schritt. Die radikalislamische Hamas rief daraufhin zu einer Dritten Intifada auf, daraufhin brachen schwere Unruhen zwischen Palästinensern und Israelis los, bei denen bislang vier Menschen ums Leben kamen.

© SZ.de/AFP/dpa/Reuters/ees/gal/fued

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