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Nach den Landtagswahlen:Keine Angst vor Rot

Sollte Althaus zurücktreten, könnte die thüringische Christdemokratin Christine Lieberknecht an seine Stelle treten - und mit der SPD eine Koalition schmieden.

Christiane Kohl

Es war schon spät am Wahlabend, als Dieter Althaus sich in der Erfurter Traditionsgaststätte "Zum Hopfenberg" den Weg zu der Dame im rotglänzenden Jackett bahnte. Im Lärm der CDU-Wahlparty fiel die kurze, aber herzliche Umarmung zwischen den beiden nicht weiter auf, und doch könnte sie ein Fingerzeig für künftige Entwicklungen sein.

Keine Angst vor Rot: Christine Lieberknecht.

(Foto: Foto: www.seyboldpress.de)

Denn Christine Lieberknecht, die Dame in Rot, gilt als Führungsreserve der CDU in Thüringen: Sollte Althaus nach den erdrutschartigen Verlusten der Landespartei nicht Ministerpräsident bleiben, könnte sie an seine Stelle treten.

Die derzeitige thüringische Sozialministerin Lieberknecht hätte alles Zeug dazu. Einst evangelische Pastorin in der DDR, hat sie seit der Wende einen reichen Schatz an politischer Erfahrung gesammelt. Ob als Landtagspräsidentin in Erfurt, als Ministerin in verschiedenen Ressorts oder als CDU-Fraktionschefin in Thüringen, stets machte Lieberknecht eine gute Figur.

Selbst Bodo Ramelow spricht in den höchsten Tönen von ihr

Schon 1990 wurde sie erstmals Ministerin in Thüringen, früh setzte auch Helmut Kohl auf die hübsche, dunkelhaarige Jungpolitikerin und holte sie zusammen mit Angela Merkel schon 1991 als Vertreterin der Ost-CDU in den Führungszirkel der Partei.

Im Gegensatz zu manch anderem Christdemokraten in Erfurt hat die Theologin allerdings nie den Gesprächsfaden zu den politischen Gegnern verloren. Sei es der SPD-Landeschef Christoph Matschie oder gar der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow - beide reden in höchsten Tönen von Lieberknecht. Entsprechend könnte ihr eine wichtige Rolle zukommen, wenn es darum geht, eine neue Koalition in Thüringen zu schmieden.

Wie Althaus, so präferiert auch Lieberknecht ein Bündnis zwischen CDU und SPD. Allerdings betont sie, dass man sich in den Gesprächen dazu "auf Augenhöhe" begegnen müsse. Wichtig sei, dass man "ganz vorbehaltlos aufeinander zugeht".

Ruf der Königsmörderin

Freilich gibt es in der CDU auch Vorbehalte gegen Lieberknecht. Die haben mit ihrem politischen Mut zu tun, der manchen Parteifreund ängstigt, mit ihrer Unkonventionalität. Schon als Schülerin war die 1958 in Weimar geborene Politikerin wegen Aufmüpfigkeit vom Internat geflogen. Später hatte sie vor, Mathematik und Physik zu studieren, doch sie wollte nicht als angepasste DDR-Lehrerin enden. Sie entschied sich für die Theologie, heiratete einen Pfarrer, ist mittlerweile dreifache Großmutter.

In der ersten thüringischen Regierung nach dem Ende der DDR löste sie gemeinsam mit zwei Ministerkollegen den Sturz des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Josef Duchac aus, als Vorwürfe auftauchten, er habe für die Stasi gearbeitet.

Seither wird Lieberknecht den Ruf der Königsmörderin nicht recht los, was im Allgemeinen wenig förderlich für eine politische Karriere ist. Allerdings kamen die Parteikollegen auch nicht an ihr vorbei, weshalb sie in der letzten Althaus-Regierung Sozialministerin wurde. Tatsächlich stand sie immer loyal zu Althaus, auch als dieser nach dem tragischen Skiunfall für Monate ausfiel, und Lieberknecht als seine mögliche Nachfolgerin gehandelt wurde. Gerade deshalb könnte ihr jetzt eine Schlüsselposition zuwachsen.

© SZ vom 01.09.2009/liv
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