Nach dem Folter-Skandal von Abu Ghraib Lynndie England zeigt keine Reue

Der Fall erregte weltweit Aufsehen: Eine junge Frau misshandelte gefangene irakische Soldaten in Abu Ghraib, musste dafür ins Gefängnis und wurde schließlich unehrenhaft aus der US-Armee entlassen. Entschuldigen will sich Lynndie England aber bis heute nicht dafür. Ganz im Gegenteil, sie rechtfertigt ihre Taten sogar.

"Sie wollten uns töten und ihr erwartet, dass ich mich entschuldige?" Im Mai 2004 gingen Bilder der US-Soldatin Lynndie England um die Welt. Bilder, auf denen sie im Gefängnis von Abu Ghraib in Irak mit nackten Gefangenen posierte. Auf einem Bild führte sie einen der Iraker gar nackt an einer Hundeleine. Bereut hat sie ihre Taten bis heute nicht.

Lynndie England am 26. September 2005, dem Tag ihrer Verurteilung.

(Foto: REUTERS)

Nachdem sich die Vorwürfe bestätigt hatten, wurde England im September 2005 unter anderem wegen Misshandlung und unzüchtigem Verhalten zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Knapp zwei Jahre davon musste sie tatsächlich verbüßen, bevor sie im März 2007 auf Bewährung entlassen wurde.

Acht Jahre nach dem Skandal sieht England immer noch keinen Grund, sich für etwas zu entschuldigen. Das wäre, "als würde man sich beim Feind entschuldigen", sagt sie im Interview mit der britischen Daily Mail.

Das Leben der Iraker sei doch heute besser, rechtfertigt England das Vorgehen sogar. "Sie (die Iraker; Anm. d. Red.) haben ein gutes Geschäft gemacht. Sie waren nicht unschuldig." Bereits vor drei Jahren hatte sie der Zeitung ein Interview gegeben, in dem sie ihre Taten rechtfertigte - zur Einsicht ist sie bis heute nicht fähig.

Unehrenhaft aus der Armee entlassen

Die mittlerweile 29-jährige England wurde gegen Ende ihrer Hafstrafe unehrenhaft aus der Armee entlassen, seitdem ist sie arbeitslos und kümmert sich hauptsächlich um ihren Sohn. Vater des Jungen ist Charles Graner: Er war ebenfalls in den Folter-Skandal von Abu Ghraib verwickelt und wurde damals zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Mit Graner hatte Lynndie England währen der Stationierung in Irak eine Affäre, in ihrer Gerichtsverhandlung gab sie an, unter anderem von Graner zu den kompromittierenden Bildern mit Gefangenen verleitet worden zu sein.

Abu Ghraib steht noch immer sinnbildlich für Gräueltaten von US-Soldaten. Doch erst vor wenigen Wochen standen die Streitkräfte der USA wieder in internationaler Kritik, diesmal in Afghanistan. Vier US-Soldaten urinierten auf tote Talibankämpfer, das Video gelangte ins Internet. Auch die Ermordung von 16 Zivilisten, nach Angaben des US-Militärs die Tat eines einzelnen Soldaten, hat das Verhältnis zwischen Kabul und Washington weiter zerrüttet.