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Amoklauf in Afghanistan:Familienmensch und Todesschütze

Seine Nachbarn sagen freundliche Sachen über ihn: Er sei ein zuvorkommender Mensch. Allerdings musste er eine Therapie zur Aggressionsbewältigung machen. Gebracht hat das nichts: In Afghanistan ist der zweifache Familienvater zum Massenmörder geworden.

Fünf Tage lang hatten die US-Militärs geschwiegen, doch nun wurde der Name des US-Soldaten bekannt, der in Afghanistan 16 Menschen erschossen haben soll. Es handelt sich dabei um den 38-jährigen Unteroffizier Robert Bales, wie sein Anwalt bestätigte.

Robert Bales, links, sollte nach Angaben seines Anwalts nicht nach Afghanistan.

(Foto: AP)

Das Massaker hat die Beziehungen zwischen den USA und Afghanistan belastet und Präsident Hamid Karsai sogar dazu veranlasst, einen früheren Truppenabzug zu fordern.

Bales ist ein zweifacher Familienvater aus dem US-Staat Washington, den Nachbarn als freundlich beschrieben. Gerichtsunterlagen zufolge wurde Bales allerdings auch vor zehn Jahren wegen eines tätlichen Übergriffs auf seine damalige Lebensgefährtin festgenommen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, nachdem Bales 20 Therapiestunden zur Aggressionsbewältigung absolviert hatte.

Auszeichnungen für gutes Benehmen

Auch ein Verfahren gegen ihn wegen eines Unfalls mit Fahrerflucht vor drei Jahren wurde laut Gerichtsunterlagen eingestellt. Wie sein Anwalt John Henry Browne sagte, zog sich Bale bei einem Einsatz im Irak Verletzungen zu, in deren Folge ihm ein Teil eines Fußes amputiert wurde.

Als der Kriegsveteran hörte, dass er in Afghanistan stationiert werden sollte, habe er nicht gehen wollen, sagte Browne. Der Anwalt sieht die Schuld darum auf Seiten der Regierung. Der Soldat "war sich nicht sicher, ob er gesund genug war, um wieder eingesetzt zu werden". Die Regierung werde den Amoklauf "einem Individuum anlasten wollen, statt vielmehr die Schuld beim Krieg selbst zu sehen", sagte Browne.

Einen Tag vor dem Amoklauf in zwei afghanischen Dörfern am vergangenen Sonntag habe Bales gesehen, wie ein Kamerad bei einer Explosion sein Bein verloren habe.

Ob sein Mandant an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, könne er nicht sagen, erklärte Browne. Nach Angaben eines Gewährsmanns aus dem Pentagon hatte Bales wenige Stunden vor der Tat Alkohol getrunken und damit Anordnungen des US-Militärs verletzt.

Auch ist von Eheproblemen die Rede: Zwischen dem Soldaten und seiner Frau habe es Spannungen gegeben. "Am Ende wird es eine Kombination aus Stress, Alkohol und häuslichen Problemen sein - er ist einfach ausgerastet", wird ein Regierungsbeamter von der New York Times zitiert.

Browne bezeichnete die Berichte über Eheprobleme seines Mandaten indes als "Unsinn". Da schon diese Angabe nicht stimme, hege er auch Zweifel, dass bei dem Amoklauf Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien, sagte Browne der Zeitung. Allerdings sei auch klar, dass praktisch jeder auf einer abgelegenen Basis in Afghanistan unter Stress stehe.

Bales war seit November 2001 bei den US-Streitkräften. Vor Beginn seines Einsatzes in Afghanistan im vergangenen Dezember diente er mehr als drei Jahre im Irak. Ihm wurden mehr als 20 Auszeichnungen verliehen, darunter drei Medaillen für gutes Benehmen im Militärdienst. Bales wurde inzwischen von Kuwait in ein Militärgefängnis im US-Staat Kansas gebracht, wo er in einer Einzelzelle auf seine Anklage wartet.