Abu-Ghraib-Prozess:Lynndie England schuldig gesprochen

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Die Bilder, auf denen die US-Soldatin Lynndie England lächelnd neben misshandelten irakischen Gefangenen posiert, schockierten die Welt. Ein US-Militärgericht sprach sie jetzt schuldig - ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Die US-Soldatin Lynndie England, die als zentrale Figur im Skandal um die Misshandlungen von Gefangenen im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib gilt, ist am Montag in einem Militärprozess schuldig gesprochen worden. Das genaue Strafmaß wird voraussichtlich bereits an diesem Dienstag verkündet. Sie muss mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.

England_Reuters

US-Soldatin Lynndie England nahm den Schuldspruch schweigend zur Kenntnis.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Misshandlungen in dem irakischen Gefängnis waren im Frühjahr 2004 durch Fotos bekannt geworden und hatten weltweit Abscheu und Empörung ausgelöst.

Die heute 22-jährige England ist auf vielen der Bilder zu sehen, unter anderem mit einem am Boden kriechenden Gefangenen an einer Hundeleine. Die fünfköpfige Geschworenenjury benötigte im Verfahren auf dem Stützpunkt Fort Hood (Texas) nur zwei Stunden zur Beratung, bis sie ihr Urteil fällte.

Schuldig in sechs von sieben Anklagepunkten

Sie befand England in sechs von sieben Anklagepunkten für schuldig: Verschwörung zur Misshandlung, Misshandlung in vier Fällen und unzüchtiges Verhalten. Letzterer Punkt bezieht sich auf einen Vorfall, der ebenfalls auf einem Foto festgehalten wurde: England zeigt auf die Genitalien nackter Gefangener, die zum Masturbieren gezwungen werden.

In dem fünftägigen Prozess hatte die Verteidigung England, die das Urteil schweigend zur Kenntnis nahm, als eine leicht beeinflussbare Frau dargestellt, die seit ihrer Kindheit unter psychischen Problemen leide.

Unter dem Einfluss des Geliebten

Sie habe insbesondere unter dem Einfluss ihres Kameraden und damaligen Geliebten Charles Graner gestanden. Graner war bereits im Mai wegen seiner Rolle im Abu-Ghraib-Skandal zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte Lynndie England aus freien Stücken und schlicht aus Spaß an der Quälerei. Über die Strafe entscheidet die selbe Jury, die am Montag den Schuldspruch gefällt hat.

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