Nach 25 Jahren im Exil Ex-Diktator Duvalier ist zurück in Haiti

Er soll für den Tod Tausender Menschen verantwortlich sein - nun ist er zurück in Haiti: Der ehemalige Diktator "Baby Doc" Duvalier ist überraschend nach Port-au-Prince gereist. In Haiti herrscht zurzeit ein Machtvakuum.

Inmitten der politischen Krise in Haiti ist der haitianische Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier überraschend in sein Heimatland zurückgekehrt. Medienberichten zufolge kam der als "Baby Doc" bekannte 59-Jährige am Sonntag in Begleitung seiner Frau Véronique an Bord einer Air-France-Maschine am Flughafen in Port-au-Prince an.

"Baby Doc" Duvalier nach seiner Rückkehr in Port-au-Prince: Er wolle den Menschen in Haiti helfen, gab er als Begründung für seinen überraschende Heimkehr an.

(Foto: Getty Images)

Dort wurde er von einer kleinen Schar von Anhängern begrüßt, darunter sein damaliger Außenminister Adrien Raymond und der frühere Chef der Präsidentengarde Christophe Dardompré. Auch zahlreiche Journalisten und Neugierige hatten sich eingefunden. Duvalier befand sich seit 25 Jahren im Exil in Frankreich. "Ich bin gekommen, um zu helfen", sagte er nach seiner Ankunft auf dem Flughafen.

Grund für die Rückkehr des Paares sei das Erdbeben vom 12. Januar 2010, mit dessen Folgen das Land bis heute zu kämpfen hat. "Das war der Auslöser. Wir haben die Bilder im Fernsehen gesehen", sagte Duvaliers Partnerin Véronique Roy. Duvalier besitze einen Diplomatenpass, sagte sie.

Nach dem Tod seines Vaters François Duvalier, der "Papa Doc" genannt wurde, wurde Jean-Claude Duvalier 1971 mit 19 Jahren der jüngste Staatschef der Welt. Nach einem Volksaufstand, der Ende 1985 begann, musste er auf Druck der USA 1986 das Land verlassen und floh nach Frankreich, wo er an der Côte d'Azur lebte. Er wird für den Tod Tausender Menschen verantwortlich gemacht. Zudem soll er sich massiver Korruption schuldig gemacht haben.

Instabile politische Lage nach Wahlen

Viele Haitianer hatten bei Duvaliers Sturz vor Freude getanzt und gehofft, er werde niemals mehr zurückkehren. Eine handvoll Anhänger hatten sich aber für seine Rückkehr eingesetzt und eine Stiftung gegründet, um das Image des einstigen Tyrannen aufzupolieren und seine Partei wiederzubeleben. Ministerpräsident Jean-Max Bellerive erklärte, falls Duvalier in irgendwelche politische Aktivitäten verwickelt sei, wisse er nichts davon. "Er ist ein Haitianer und es steht ihm als solchem frei, nach Hause zurückzukehren", sagte er. Im Herbst 2007 hatte Präsident René Préval erklärt, Duvalier könnte nach Haiti zurückkehren, müsste sich dann aber vor der Justiz für den Tod Tausender Menschen und der Veruntreuung von Millionen Dollar verantworten.

Ähnlich äußerte sich der Vertreter einer Menschenrechtsorganisation: "Duvalier muss sich darauf einstellen, vor Gericht zu zahlreichen Verbrechen Stellung zu nehmen, die er während seiner Herrschaft begangen hat", sagte Pierre Espérance vom Nationalen Netzwerk zur Verteidigung der Menschenrechte (RNDDH). Dies seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjährten.

Die Rückkehr des ehemaligen Machthabers kommt zu einem pikanten Zeitpunkt: Der verarmte Karibikstaat kämpft immer noch mit den Folgen des verheerenden Erdbebens sowie mit einer Cholera-Epidemie. Zudem herrscht nach der chaotischen ersten Runde der Präsidentschaftswahl Ende November ein politisches Vakuum. Am Donnerstag hatte die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) ihre Empfehlungen für den Fortgang der Präsidentenwahlen in Haiti an Präsident René Préval übergeben. Über den Inhalt machten die Mitglieder der Expertendelegation keine Angaben.

Eigentlich hätte am Sonntag die Stichwahl stattfinden sollen. Doch der provisorische Wahlrat sagte den Termin kurzfristig ab. Da die Ergebnisse der ersten Abstimmung vom November noch nicht verkündet seien, könne der Termin nicht eingehalten werden. Der scheidende Staatschef Préval hatte zuvor gesagt, er werde nicht zum Ende seines Mandats am 7. Februar aus dem Amt scheiden können, weil es bis dahin kein neues Staatsoberhaupt geben werde.

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