Münchner Sicherheitskonferenz Pflege transatlantischer Beziehungen auch ohne Trump-Gefolgschaft

Genauso wie US-Botschafter Richard Grenell blieb auch Ivanka Trump dem traditionellen deutsch-amerikanischen Dinner am ersten Abend der Münchner Sicherheitskonferenz fern.

(Foto: dpa)

Beim deutsch-amerikanischen Dinner im Käfer-Restaurant ist vor allem eines spürbar: die Sehnsucht nach dem "guten alten Amerika".

Von René Hofmann

Kurz bevor das Dinner beginnt, will Nina Ruge es genau wissen. "Nun sag doch mal, welche hochrangigen Russen sind da?", fragt sie Wolfgang Seybold. Der kann den Chef einer der wichtigsten Banken des Landes anführen, aber damit ist Ruges Wissbegierde keineswegs gestillt. "Und von den Amerikanern?", hakt sie nach, "Ivanka? Grenell?" Das sind zwei Schlüsselwörter. Nun sprudelt der Ärger nur so aus Seybold heraus. Richard Grenell, seit Mai vergangenen Jahres Botschafter der USA in Deutschland, hatte vor Wochen zugesagt, doch dann folgte ein kurzfristiger Rückzieher. "Am Abend vorher", zürnt Seybold, "das ist kein gutes Benehmen."

Und Ivanka Trump, die Tochter von US-Präsident Donald Trump, die es zur Sicherheitskonferenz ebenfalls nach München gezogen hat - sie hatte es noch nicht einmal für nötig gehalten, auf die Einladung überhaupt zu reagieren. Seybold wertet das als kein gutes Zeichen für das, was ihm sehr am Herzen liegt - die deutsch-amerikanische Freundschaft. "Wenn man die Freundschaft nicht pflegt, erlischt sie", sagt er sibyllinisch.

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Seybold ist Anwalt. Vor vielen Jahren hatte er eine Idee. Am ersten Abend der Sicherheitskonferenz lud er zu einem Essen. Geboren wurde das als deutsch-amerikanisches Freundschaftsdinner, doch das Baby wuchs, und wuchs sich aus. Seit einigen Jahren organisiert die Veranstaltung im Käfer-Restaurant nun schon die Firma Linde, deren Aufsichtsrat Wolfgang Reitzle vorsteht, der Mann von Nina Ruge. Trotz der schnöden Ignoranz der Trump-Tochter und des Trump-Botschafters war es auch in diesem Jahr natürlich ein leichtes, die rund hundert Plätze zwischen dem vielen dunklen Holz im ersten Stock zu füllen.

Es gibt sie ja noch, die transatlantischen Bande. Madeleine Albright, die einstige Außenministerin der USA, nahm Platz gegenüber von Edmund Stoiber, dem einstigen Ministerpräsidenten von Bayern. Und beim Empfang zuvor hatte der ebenfalls einstige US-Außenminister John Kerry vorbeigeschaut und dem Mundschenk, der ihm ein Wasser reichte, die Hand so vertraulich auf die Schulter gelegt, als sei er jeden Freitagabend Gast in der Prinzregentenstraße. Vergangenes Jahr war Seybold zur Beerdigung des US-Politikers John McCain eingeladen, bei der der aktuelle US-Präsident explizit nicht willkommen war. Auch dort sah Seybold "das gute alte Amerika", das er kennt und schätzt - und von dem er hofft und glaubt, dass es eines Tages wiederkommt. "Trump geht vorbei", ist Seybold sich sicher. Die Frage könnte nur sein: Wie schnell?

Albright ist 81, Kerry 75. Das gute Amerika, es ist schon recht alt. Das Sagen haben aktuell eben nicht die Demokraten, zu denen die beiden gehören, sondern die Republikaner, für die Richard Grenell, 52, steht und andere Trump-Getreue. Sie haben offenkundig wenig Interesse am Austausch neuer Freundschaftsbändchen. Dabei hätte ihnen die Speisekarte bestimmt gefallen. Dort galt: America First! Alles war gruppiert um ein US Nebraska Steak im Strip Cut. Die Weinkarte war zumindest ausbalanciert (Weiß: ein 2017er Deidesheimer Paradiesgarten aus der Pfalz / Rot: ein 2014er Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley in Kalifornien). Und auch aus gesellschaftlicher Sicht haben sie einiges verpasst.

Der Abend ist so etwas wie der entspannte Absacker des ersten Tages der Sicherheitskonferenz. Kein Wunder, dass ihn viele gerne wahrnehmen. Friedrich Merz und Jens Spahn, die beiden unterlegenen Rivalen im Kampf um den CDU-Vorsitz, in einem Raum; der einstige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Gespräch mit Wolfgang Porsche, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des gleichnamigen Autobauers - es ergaben so einige spannende Konstellationen da beim Stehempfang vor dem Essen. Was auffiel: Ein deutlicher Männerüberhang. Und: Nach Sicherheitskonferenz sah das mitunter wenig aus. "Früher kamen mehr Uniformen", bemerkte Michael Käfer, als alljährlicher Gastgeber durchaus ein glaubhafter Experte in der Frage. Die einzigen Militärgesandten dieses Mal trugen deutsche Staatsabzeichen an den Ausgehuniformen. Und Funkgerätempfänger im Ohr. Sie waren offensichtlich für die Sicherheit der Gäste da.

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