Mordfall Siegfried Buback:"Schützende Hand über Verena Becker"

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Buback zufolge deuten Fakten und die Aussagen von Augenzeugen darauf hin, dass Verena Becker auf seinen Vater geschossen hat. Allerdings sollte man sich nicht ausschließlich auf sie fokussieren. "In den vergangenen drei Jahren hat sich herauskristallisiert, dass keine der drei bislang wegen des Attentats verurteilten Personen, also Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, bei der Tatausführung auf dem Motorrad saß. Somit fehlen Urteile gegen zwei Täter. Hierbei richtet sich ein besonders starker Tatverdacht auf Günter Sonnenberg und Verena Becker."

Diese hätten bei ihrer Festnahme in Singen, etwa vier Wochen nach dem Attentat, die Karlsruher Tatwaffe mit sich geführt sowie einen Suzuki-Schraubendreher, wie er im Bordset des von Sonnenberg angemieteten Tatmotorrads fehlte, stellt Buback fest. "BKA-Dokumente besagen, dass die Haarspur in einem der Motorradhelme identisch ist mit Haarspuren in Verena Beckers Haarbürste. Besonders gravierend ist, dass etwa zwanzig Augenzeugen meinen, eine zierliche Person, eine Frau habe auf dem Motorrad gesessen." Allerdings, kritisiert er, sei keiner dieser Zeugen zu einem der beiden Prozesse zum Karlsruher Attentat geladen, um diese Aussage vor Gericht zu machen. Auch wurde keiner dieser Zeugen zu einer Gegenüberstellung mit Verena Becker geladen. Zudem wurde Verena Becker am Vortag des Attentats in unmittelbarer Nähe des späteren Tatorts erkannt.

"Übrigens, wenn Stefan Wisniewski in Karlsruhe geschossen hätte, wie einzelne der früheren Terroristen angeblich behaupten, wäre dies für die Bundesanwaltschaft der schlimmstmögliche Fall, ein Super-Gau, da der Generalbundesanwalt 1982 vom Verfassungsschutz auf Wisniewski als Täter hingewiesen wurde, aber Kurt Rebmann nicht einmal ein Ermittlungsverfahren aufnahm", stellt Buback fest. Es sei somit günstig für die Bundesanwaltschaft, dass die seit drei Jahren gegen Wisniewski geführten Ermittlungen keine klaren Hinweise auf Wisniewski als einen der Täter auf der Suzuki erbracht haben.

Laut taz erklärte Buback zuvor: "Die nachgereichten Informationen (des Verfassungsschutzes; Anm. d. Red.) wirken auf mich wie ein neuerlicher, allerdings besonders massiver Versuch, eine schützende Hand über Verena Becker zu halten."

Tatsächlich hat Becker mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet. Aber nicht vor dem März 1980, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz der Bundesanwaltschaft mitgeteilt hat. Michael Buback hat allerdings festgestellt, dass Beckers Hinweis auf Wisniewski als Täter im Jahre 1981 nicht im Vermerk über ihre Vernehmung zu finden ist, sondern nur in einem zusammenfassenden Vermerk der Auswerter, berichtet die taz. Dies wurde von anderer Stelle bereits veröffentlicht.

Hat Becker also tatsächlich Wisniewski beschuldigt oder wurden die Verfassungsschutzakte manipuliert?

Die Bundesanwaltschaft geht weiterhin davon aus, dass Becker zwar "hinreichend verdächtig" ist, "als Mittäterin an dem Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback und seine beiden Begleiter beteiligt gewesen zu sein. Die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft geht allerdings nicht davon aus, dass sie eines der beiden Mitglieder des Anschlagkommandos auf dem Tatmotorrad war." Und die von "Spiegel Online wiedergegebenen Äußerungen von Silke Maier-Witt und Peter Jürgen Boock bezüglich Stefan Wisniewski finden sich in den Angaben, die sie gegenüber den Strafverfolgungsbehörden gemacht haben, nicht wieder". Darüber hinaus "können auch die Haarspuren aus dem Motorradhelm (eines der Täter; Anm. d. Red.) nicht mit den Kopfhaarproben von Verena Becker [...] übereinstimmen", heißt es in einer schriftlichen Erklärung aus Karlsruhe, die sueddeutsche.de vorliegt.

So wie es aussieht, wird sich der Prozess, der am Donnerstag beginnt, nicht nur intensiv mit der Rolle von Verena Becker bei der Ermordung von Siegfried Buback beschäftigen. Sondern auch mit den kritischen Fragen, die Michael Buback als Nebenkläger an die Bundesanwaltschaft stellen wird.

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