bedeckt München 17°

Mecklenburg-Vorpommern:Neumann hat mit der Neonazi-Szene nicht gebrochen

Zur Spenden-Veranstaltung bei Philip Steinbeck auf Schloss Jessenitz reiste auch ein Hamburger mit Neonazi-Hintergrund an. Björn Neumann, ehemaliger Hamburger NPD-Spitzenkandidat, der bei Facebook über "Flüchtlingsgesocks" schimpft und den Grünen-Politiker Volker Beck "Viech" nannte. Neumann hat mit der Neonazi-Szene nicht gebrochen. Aber er umgibt sich gerne mit den Größen rechtspopulistischer Parteien wie Gauland oder dem österreichischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (FPÖ).

Der Kreis, mit dem Gauland am runden Tisch diskutierte und der nachher zum Gruppenbild auf die Freitreppe trat, war speziell. Auch AfD-Direktkandidat Jens-Holger Schneider gehörte dazu. Er besucht seit Jahren rechtsextremistische Demonstrationen, 2007 beteiligte er sich an Neonazi-Protesten in Wismar. Damals erschien er in einer pöbelnden Truppe mit dem berüchtigtsten Neonazi Mecklenburgs: Sven Krüger. Der vorbestrafte Kahlkopf ist zentrale Figur des Neonazi-Dorfes Jamel. AfD-Mann Schneider kennt Krüger gut - und auch NPD-Chef Theißen. Bei einer NPD-gesteuerten Demonstration fungierte der AfD-Kandidat 2015 sogar als Ordner. Er steht auf Listenplatz 18.

2015 wurde Arppe wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt

Die AfD reagierte auf Anfrage nicht auf die Erkenntnisse von NDR und SZ, doch die genannten Verbindungen scheinen in der Ostsee-AfD keine Ausnahme zu sein. Holger Arppe, Rostocker Kandidat auf Platz 3, setzt sich für eine Zusammenarbeit mit der "Identitären Bewegung" ein, einer rassistischen Truppe, die jüngst das Brandenburger Tor erklomm. 2015 wurde Arppe wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf Listenplatz 23 wurde Sascha Jung gewählt. Der Jurist durfte wegen seiner rechtsextremistischen Aktivitäten nicht in den bayerischen Staatsdienst. Die Burschenschaft, der er angehört, wird von Bayerns Verfassungsschutz beobachtet. Jung ist sogenannter Neusiedler mit Anschluss ins völkische Spektrum der "Neo-Artamanen". Sie siedeln seit rund 20 Jahren mit zwölf Familien und etwa 60 Kindern im Herzen Mecklenburgs.

Die schillerndste Figur im AfD-Landesverband dürfte allerdings Petra Federau sein. Sie wurde überregional bekannt, weil sie einen Escort-Service unter anderem nach Dubai betrieb. Deshalb wurde Federau im April 2016 von der Wahlliste gestrichen und tritt nun als Direktkandidatin an. Wiederholt wurde die AfD in Mecklenburg Vorpommern von anderen Parteien für Federaus fremdenfeindliche Facebook-Postings kritisiert. Dennoch scheut sie keinen noch so radikalen Auftritt: Für den 3. Oktober ist Federau als Rednerin am "Tag der Einheit der Bürgerbewegungen" in Dresden angekündigt. Zusammen mit der Pegida-Frau Tatjana Festerling, dem Neonazi-Hooligan Hannes Ostendorf, Sänger der Bremer Band Kategorie C, und ultrarechten Paramilitärs aus Bulgarien, die darüber berichten sollen, wie sie Flüchtlinge mit einer Patrouille vom Grenzübertritt abhalten.

Eigene Direktkandidaten hat die NPD für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nicht aufgestellt. Sie habe ohnehin keine Chance auf Direktmandate, erklärte der NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit - anders als die AfD. Petereit: "Es gibt da ja einige ordentliche Leute."

© SZ vom 31.08.2016/fie
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema