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Katholische Kirche:Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

Reinhard Marx möchte das Bundesverdienstkreuz nicht mehr entgegennehmen.

(Foto: TORSTEN SILZ/AFP)

Opferverbände hatten zuvor gegen die geplante Auszeichnung des Kardinals protestiert. Marx' Rolle bei der Vertuschung von Missbrauchsfällen sei noch nicht abschließend geklärt, hieß es von ihnen als Begründung.

Nach massiver Kritik von Missbrauchsopfern verzichtet der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf das Bundesverdienstkreuz, das ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diesen Freitag überreichen sollte. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die auf der Homepage des Erzbistums München veröffentlicht wurde. Darin wird über einen Brief berichtet, den Marx an den Bundespräsidenten geschrieben habe. "Meine große Bitte an Sie ist, die Auszeichnung nicht vorzunehmen", schreibe Marx darin an den Bundespräsidenten.

In den vergangenen Tagen hatte es Kritik an der geplanten Auszeichnung des Kardinals gegeben. Der Orden dürfe nur vergeben werden, wenn eindeutig nachgewiesen sei, dass Marx sich nicht an der Vertuschung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche beteiligt oder deren Aufklärung behindert habe, hieß es von mehreren Opferverbänden.

"Diese Auszeichnung ist eine herausgehobene Ehre, für die das gesamte Wirken des zu Ehrenden in den Blick genommen werden sollte", sagte Hermann Schell, Sprecher des Vereins Missbit, der Missbrauchsopfer und Betroffene im Bistum Trier vertritt. Aus Sicht von Missbit entspricht das Verhalten des früheren Trierer Bischofs im Umgang mit sexuellem Missbrauch nicht dem mit der Ehrung verbundenen Vorbildcharakter. Schell forderte Marx daher auf, auf die Auszeichnung zu verzichten.

Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln protestierte mit gleich zwei offenen Briefen. Aktuell bemühe sich die katholische Kirche, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten und Täter und Vertuscher zu benennen und, soweit möglich, zur Rechenschaft zu ziehen, schreibt der Betroffenenbeirat. "Einige der heutigen Kirchenfürsten stehen aber nach wie vor in der Kritik, und der Vorwurf der Vertuschung ist noch längst nicht ausgeräumt." Das sei auch bei Marx der Fall. Ihm werde vorgeworfen, "Fällen sexualisierter Gewalt in seinem früheren Bistum Trier nicht konsequent nachgegangen zu sein". Marx war von 2002 bis 2007 Bischof von Trier.

Zudem wirft der Betroffenenbeirat Marx vor, ein Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising seit 2010 unter Verschluss zu halten. Derzeit ist ein neues Gutachten in Arbeit. Es wird von der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl erstellt und soll im Sommer veröffentlicht werden. Das erste Gutachten war im Gegensatz zum zweiten Gutachten nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Im zweiten Gutachten sollen Verantwortliche öffentlich benannt werden, hatte Marx im Dezember der Süddeutschen Zeitung gesagt.

Marx: Will Amt des Bundespräsidenten nicht beschädigen

Das Bundespräsidialamt hielt bislang an der Verleihung fest. Marx habe sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 2014 bis 2020 besonders für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft engagiert, sagte eine Sprecherin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Er hat sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt, ist Populismus und Hetze entgegengetreten und hat zur Hilfe für Bedürftige in Deutschland und der Welt aufgerufen - unabhängig von Herkunft und Religion." Vergangenes Jahr gründete Marx mit einem Großteil seines Privatvermögens die Stiftung "Spes et Salus" (Hoffnung und Heil), mit der Menschen unterstützt werden sollen, die von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche betroffen sind.

"Ich bin überzeugt, dass das mit Rücksicht auf diejenigen, die offensichtlich an der Auszeichnung Anstoß nehmen, und insbesondere mit Rücksicht auf die Betroffenen, der richtige Schritt ist", wird Marx jetzt in der Mitteilung über seinen Verzicht zitiert. Marx erklärte, er wolle damit auch negative Interpretationen verhindern - im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei. "Selbstverständlich möchte ich auch dem Amt des Bundespräsidenten keinen Schaden zufügen."

Marx, so heißt es vom Erzbistum außerdem, habe die Hoffnung geäußert, dass er mit dem Schritt des Verzichts vielleicht auch ein Zeichen setzen könne, "dass mir die weitere Aufarbeitung und nach Möglichkeit Heilung im Bereich von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft ein wichtiges Anliegen bleibt".

© SZ/jael
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Von Annette Zoch

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