Fukushima-1: Mangelhafte Wartung:Tepco muss sich wieder entschuldigen, diesmal bei den Bauern.

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Die Kühlpumpen und Dieselgeneratoren waren ebenfalls nicht kontrolliert worden. Um glaubwürdiger zu wirken, hatte die Betreiberfirma Tepco Reparatur-Protokolle von Instrumenten gefälscht, die nicht einmal überprüft worden waren. Die Nachrichten-Agentur Jiji zitierte einen ungenannten Beamten der Nuklearbehörde: "Wir können nicht sagen, dass diese Versäumnisse nicht zur Kette der Ereignisse beigetragen haben, die zu dieser Krise führten." Mit anderen Worten: Tepco wusste nicht, ob die Dieselgeneratoren überhaupt funktionierten, welche die Notkühlung hätten aufrechterhalten sollen. Vielleicht waren sie schon kaputt, bevor der Tsunami zuschlug.

Tepco entschuldigte sich auch am Dienstag wieder, diesmal bei den Bauern. Nachdem radioaktive Isotope aus dem Meiler in Milch und Spinat festgestellt worden waren, wies Premier Naoto Kan die Präfektur Fukushima und die umliegenden Regionen an, jede Lieferung und jeden Konsum von Milch und Blattgemüse zu verbieten.

Kabinettssekretär Yuko Edano sagte, Tepco müsse die Bauern dafür entschädigen. Weil Tepco längst alles Vertrauen verspielt hat, fügte Edano hinzu, wenn Tepco nicht zahle, erhielten die Bauern ihr Geld von der Regierung.

In den Hauptnachrichten des Fernsehens leitete Bauer Shinichi Muto die 700 Liter Milch seiner 40 Kühe von der Melkmaschine direkt in den Jauchegraben. "Das ist für mich, wie wenn ein Angestellter sein Gehalt in den Müll wirft", sagte er. Verseucht ist nun auch das Trinkwasser. In manchen Regionen, sogar in Tokio, wurden geringe, angeblich unbedenkliche Spuren von Jod-131 nachgewiesen, einem Isotop, das in der Natur nicht vorkommt.

An zwei Orten wurden die Grenzwerte überschritten, die Japan erst kürzlich eingeführt hat. Dem Dorf Iitate, das etwa vierzig Kilometer nordwestlich des Meilers in den Bergen von Fukushima liegt, also außerhalb der Sperrzone, beschied die Regierung in Tokio, sein Trinkwasser sei verseucht. An die 4000 Einwohner wurde am Montag Wasser in Flaschen verteilt. "Dabei haben wir kaum mehr Benzin im Dorf", sagte der Bürgermeister von Iitate im Fernsehen.

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