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Mainz:Punkt für sie, Punkt für ihn

SWR Fernsehen -  Duell Baldauf gegen Dreyer

Es ist, als spräche der Oppositionsführer mit seiner Ministerpräsidentin: Malu Dreyer und ihr CDU-Herausforderer Christian Baldauf beim TV-Duell.

(Foto: Kristina Schäfer/dpa)

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz treffen sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihr Herausforderer Christian Baldauf (CDU) zum TV-Duell. Die Erkenntnis nach 60 Minuten: Noch ist nichts entschieden.

Von Gianna Niewel

Einen Tag vor dem TV-Duell in Mainz knallen zwei Umfragen rein und in beiden liegt die SPD vor der CDU. Es ist das erste Mal seit Monaten, und es ist genau das, worum es geht: Wer vorne liegt. Naturgemäß werden solche Zahlen sofort interpretiert, bei der SPD sagen sie, dass das die Trendwende sei und Malu Dreyer Ministerpräsidentin bleibe. Bei der CDU sagen sie, dass der Rückstand - zwei Prozent laut Infratest dimap, vier Prozent laut der Forschungsgruppe Wahlen - aufholbar sei. Dass sie weiter kämpfen für einen Ministerpräsidenten Christian Baldauf.

Was auf jeden Fall stimmt: Wenn die Menschen in Rheinland-Pfalz am 14. März einen neuen Landtag wählen, wird es eng, so eng, dass es nicht schaden kann, im TV-Duell zu punkten.

Freitagabend, SWR-Studio, die Kameras laufen. Das erste Thema ist, natürlich, Corona. Moderator Fritz Frey fragt die Amtsinhaberin, ob es nicht ein Bonus sei, dass sie als Ministerpräsidentin gerade so präsent sei. Malu Dreyer sagt, ja, sie habe eine andere Bühne - aber auch eine andere Verantwortung. Sie treffe schwere Entscheidungen und jede dieser Entscheidungen verknüpften die Bürgerinnen und Bürger auch mit ihr. Nächste Frage an den Herausforderer, er hatte der Regierung vor einigen Wochen vorgeworfen, ihre Impfstrategie sei "gefährlich". Nun liegt Rheinland-Pfalz im Ländervergleich aber doch vorne? Baldauf sagt, damals habe er sich Sorgen gemacht, und noch immer funktionierten die Hotlines nicht. Dann sagt er, er sei "froh, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist". Das klingt nicht nach Angriffsmodus. Punkt für sie.

Es geht dann weiter mit Landesthemen, etwa den Umgang mit dem Flughafen Hahn. Anfang Februar hieß es, der chinesische Haupteigentümer HNA habe Insolvenz angemeldet. Dann hieß es, das Unternehmen richte sich lediglich "neu aus". Und im Hunsrück bangen Menschen um ihre Jobs. Malu Dreyer sagte, sie habe schriftlich, dass der "flugaffine Bereich" von der Pleite nicht betroffen sei und das Land außerdem nicht mehr Eigentümer des Hahns ist. Thema beendet. Christian Baldauf wirbt dafür, dort Grunderzentren und Forschungsunternehmen anzusiedeln, eine Idee für die Region. Punkt für ihn.

Beide verloren sich immer wieder im Klein-Klein der Politik

Es ist vielleicht das erste Mal in diesem Wahlkampf, dass so etwas wie Vergleichbarkeit zwischen den beiden möglich ist. Während Christian Baldauf in den vergangenen Monaten im Land unterwegs war, in der Eifel, im Westerwald, in Trier, um sich bekannt zu machen, lud Malu Dreyer die Abgeordneten einzeln in ein digitales Wohnzimmer und streamte die Gespräche. Nun saßen sie sich gegenüber, 60 Minuten lang, und am Ende der 60 Minuten war es sehr knapp. Malu Dreyer sagte, wie stolz sie darauf sei, dass in Rheinland-Pfalz 146 mittelständische Unternehmen Weltmarktführer seien. Dass das Land die drittniedrigste Arbeitslosenquote seit Jahren habe. Christian Baldauf machte darauf aufmerksam, wie viele Kommunen verschuldet seien. Wie er die Digitalisierung zur Chefsache machen wolle, in dem er sie an die Staatskanzlei andocke.

Punkt für sie, Punkt für ihn, es war immer ein Streit um die Sache. Aber beide verloren sich auch immer wieder im Klein-Klein der Politik, in Wörtern wie "Transformationsrat" und "Wasserstoffstrategie". Malu Dreyer musste zugeben, dass es mit dem digitalen Fernunterricht anfangs "geruckelt" habe, Christian Baldauf sagte: "Die Landesregierung verlässt sich jetzt einfach mal darauf, (...) was der Chinese sagt." Der Chinese.

Am Ende ist Christian Baldauf als Herausforderer, als Spitzenkandidat einer Partei, die in den Umfragen zurückliegt, stärker im Zugzwang. Und ja, er hat das solide gemacht, keine Fehler. Aber reicht das, um am 14. März vorne zu liegen?

© SZ/stad
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