bedeckt München
vgwortpixel

Vereinigte Staaten:"Hätte Tom Brady haben können"

Doch weil Trump den offenen Konflikt scheut und in Familienfragen weiterhin Loyalität bevorzugt, kam es dazu nicht. "Javanka" entschieden sich zunächst, stärker im Hintergrund zu agieren: Den Ball flach halten, nicht unangenehm auffallen. In den folgenden Monaten wurde es ruhig um die beiden.

Trump soll sogar mehrmals gewitzelt haben, er "hätte Tom Brady haben können" als Schwiegersohn, einen Football-Star der New England Patriots. "Stattdessen habe ich Jared Kushner bekommen", soll der Präsident laut New York Times gesagt haben. Eine Zeit lang sah es nicht gut aus für die Zukunft von Ivanka und Jared im Weißen Haus.

Doch die Taktik, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und den Sturm vorbeiziehen zu lassen, hat offenbar funktioniert. Nach 18 Monaten in der Regierung hat sich Trump mit vielen der früheren Weggefährten überworfen. Eine Reihe ehemaliger Mitarbeiter hat längst das Weite gesucht. Steve Bannon, Hope Hicks, Rex Tillerson und viele andere sind längst Geschichte. Ivanka und Jared sind immer noch da.

Mit Kellys sinkendem Einfluss, steigt der Stern von "Javanka" wieder

Nun, im Sommer 2018 sieht es aus, als habe sich das Blatt gewendet. Der einst so starke Kelly sieht nur noch hilflos zu, wenn sein Boss wieder einmal unabgesprochene Ankündigungen macht oder seinem Unmut bei Twitter freien Lauf lässt. Trump wolle eigentlich keinen Stabschef, sagen Eingeweihte, Er wolle lieber alles selbst machen. Selbst Besprechungen einberufen, Termine ausmachen und Anrufe von Freunden und Vertrauten wie etwa dem Fox-News-Journalisten Sean Hannity entgegennehmen.

Wie bereits vor Kellys Zeit strömen wieder Informationen und Gerüchte ungefiltert auf Trump ein. Und der US-Präsident hat ein offenes Ohr für alte Bekannte, die den Stabschef umgehen, als gäbe es ihn gar nicht. Einen wie Trump, kann man nicht zähmen, das musste Kelly schmerzhaft erfahren.

Und mit Kellys sinkendem Einfluss, steigt der Stern von "Javanka" plötzlich wieder. Im Mai hat Kushner nun doch wieder Zugang zu geheimen Regierungsinformationen erhalten. Nach Einschätzung der New-York-Times-Journalistin Haberman sind die beiden gerade dabei, "ihre Profile zu schärfen". Sie stünden bereit, wieder auf die öffentliche Bühne zu treten und ihre Projekte nach vorne zu treiben. Ivankas Ankündigung vor wenigen Tagen, ihre Modefirma zu schließen, um sich ganz auf ihre Arbeit in Washington zu konzentrieren, passt ins Bild.

Und noch eine Lektion dürfte Kelly mitnehmen: dass Blut dicker ist als Wasser. Während andere längst gefeuert sind, ist für die Familienmitglieder im Weißen Haus noch lange nicht Schluss.

© SZ.de/lalse/sks
Journalismus Nur Gutes über den Kaiser

US-Medien

Nur Gutes über den Kaiser

Trumps Umgang mit New-York-Times-Verleger Sulzberger ist ein Beleg für das größte Übel, das derzeit von den USA aus die Welt überzieht: den Verlust der Wahrheit.   Kommentar von Stefan Kornelius

Zur SZ-Startseite