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Lübecker "Die Partei"-Abgeordneter Langbehn:"Alles etwas spaßig"

Bastian Langbehn, "Die Partei", Lübeck

Der Lübecker Satiriker und "Die Partei"-Politiker Bastian Langbehn feiert seinen Erfolg bei den Kommunalwahlen.

(Foto: "Die Partei" Lübeck, Facebook)

1,3 Prozent der Stimmen reichen für den ersten Erfolg: Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein erringt die vom "Titanic"-Chefredakteur Sonneborn gegründete Partei "Die Partei" einen Sitz in Lübecks Bürgerschaft. Auf dem wird in Zukunft Bastian Langbehn Platz nehmen. Ein Gespräch über "städtische Kifferhöhlen" und andere Punkte aus dem Parteiprogramm.

Von Josh Groeneveld

1,3 Prozent der Stimmen hat "Die Partei" am Sonntag in Lübeck bekommen. Das reicht, um Bastian Langbehn einen Platz in der Bürgerschaft zu sichern. Im Wahlkampf setzte das Politikprojekt des Satiremagazins Titanic auf Absurdität und Angriff: In Videos zu "Wahlwerbemaßnahmen" wird über die FDP gelacht, zu dramatischer Musik die neu zu errichtende Mauer auf der Deutschlandkarte platziert und mit in Photoshop erstellten Masken zu Slogans wie "Inhalte überwinden" und "Für Sie gehe ich freiwillig in die Bürgerschaft" posiert. Ist das alles noch Politsatire oder tatsächlich ernst gemeint? Süddeutsche.de hat bei Bastian Langbehn nachgefragt.

SZ: Herr Langbehn, was wird Ihre erste Amtshandlung als Bürgerschaftsabgeordneter sein?

Gute Frage. Das Erste wird wohl sein, eine Rede zu halten und den müden Laden da mal irgendwie ein bisschen auf Vordermann zu bringen - vielleicht lassen die ein oder anderen, die da sitzen, sich ja noch mal für Politik begeistern.

Wo wir bei Ihrem Wahlprogramm sind: Erklären Sie doch bitte einmal, wie Sie es etwa schaffen wollen, Lübeck zur Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins zu machen.

Das ist vermutlich einfacher als wir denken, da viele Leute dafür sind. Wir waren letztes Jahr mit Herrn Sonneborn auf Promotour zur Landtagswahl und da haben selbst viele Kieler gesagt: Ja, das wollen wir, weil wir wollen die Politiker hier nicht mehr sitzen haben - könnt ihr gerne haben. Durch den Rückhalt in der Bevölkerung wird es gar nicht anders kommen können.

Also nehmen Sie das persönlich in die Hand?

Das ist mir ein persönliches Anliegen, ja. Wir haben ja auch zur Landtagswahl schon die Pläne veröffentlicht, wie wir das Ganze händeln wollen. Es gibt ja in Lübeck den sogenannten Hochschulstadtteil, der ist relativ neu und daneben gibt es eine große Wiese. Da einfach - zack - das Regierungsviertel hin und der Drops ist gelutscht.

In Ihrem Programm ist von der Wichtigkeit "realistischer Politik" die Rede. Sie versprechen Steuergeschenke für alle Bürger, ein Amt für Clubkultur, sogar "städtische Kifferhöhlen". Das klingt etwa so realistisch wie die 20 Prozent, die Sie bei der Wahl holen wollten.

Ja, das mit der Wahl, ach Gott, na ja. Klar, im Programm ist das alles etwas spaßig ausgedrückt. Aber wenn man das etwas näher betrachtet, ist es, ich möchte sagen, erschütternd, wer da in der Bevölkerung alles kifft. So gesehen kann das eigentlich gar nicht so schlimm sein, das in Lübeck zu genehmigen. Was da steuerlich alles drin ist! Und wir haben ja in Lübeck auch noch das Günter-Grass-Haus - warum da keinen Coffeeshop? Liegt doch quasi auf der Hand.

Wie stehen Sie denn als Bewohner einer ehemaligen innerdeutschen Grenzstadt zu der von Ihrer Partei geforderten erneuten Teilung Deutschlands und dem Wiederaufbau der Mauer?

Lübeck bezog damals Zonenrandgebietsförderung. Die Stadt hat genug Probleme und das größte ist halt das Geld - von daher ist jede Förderung, die Lübeck kriegen kann, super. Außerdem wird das mit der Mauer auch häufig missverstanden. Gerade die Anwohner der ehemaligen innerdeutschen Grenze reagieren da unverständlicherweise sehr gereizt. Es geht ja darum Arbeit zu schaffen, was ja auch wieder Geld durch Steuereinnahmen bringt. Und: Wenn wir eine Mauer bauen, dann sind wir ja auch alle an der Macht. Und wenn wir an der Macht sind, sind ja auch alle in der Partei. Und wenn alle in der Partei sind, haben alle einen Parteiausweis - und hinten auf dem Parteiausweis steht drauf: Der Inhaber dieses Parteiausweises darf überall durch. Von einer Teilung kann da also gar keine Rede sein.

Die heimische Presse beäugt Sie eher unliebsam: Ihr selbst sogenanntes Regierungsprogramm enthalte "seitenweise Absurdes". Nehmen Sie das als Lob oder als Kritik?

Ich nehme es als Ansporn! Sollen die doch schreiben, was sie wollen, dagegen anzureden ist eh wie gegen Windmühlen kämpfen - das hat ja keinen Sinn. Wir wollen die nächsten fünf Jahre da mal schwer durchfegen, und dann können wir ja sehen, was dabei rumkommt. Sollten sie es dann immer noch nicht begriffen haben, werden sie laut Regierungsprogramm halt offiziell für bescheuert erklärt.

Der bayerische Kabarettist Bruno Jonas sagte in einem Interview, er würde niemals eine Partei gründen: "Es prickelt nicht, wenn ein Kabarettist parteipolitisch zuzuordnen ist." Was würden Sie dem entgegnen?

Dann hat er es noch nicht mit uns versucht. Ich muss sagen, der Herr Jonas ist ein großartiger Mann. Aber vielleicht hat er es einfach bisher mit den falschen Parteien versucht. Gerade in Bayern ist ja die Parteienvielfalt, sagen wir mal, nicht so groß. Vielleicht sollte er umziehen.

Sehen Sie sich eher als Politiker oder als Satiriker?

Ja, da kennen Sie die Lübecker Bürgerschaft nicht: Ich glaube nämlich, das sind alles Berufssatiriker. Denen fehlt nur so ein bisschen der Humor. Da passieren abstruse Sachen. Wir haben zum Beispiel bei Umfragen in Zeitungen gesehen, dass teilweise unsere Satire zu ernst rüberkommt. So forderte zum Beispiel jemand die Abschaltung der Lübecker Atomkraftwerke - dabei haben wir in Lübeck überhaupt kein Atomkraftwerk. Es ist nicht leicht für einen Satiriker, deswegen nehme ich vielleicht lieber die politische Schiene.

© Süddeutsche.de/josh/olkl
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