Kritik an Sahra Wagenknecht Gysi tut gut daran, im Parteisumpf der Linken zu stochern

Gregor Gysi schied 2015 nach zehn Jahren als Fraktionsvorsitzender aus.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Die Linke braucht mehr Mut zum Zoff mit dem eigenen Wähler. Sonst macht der rüber zur AfD.

Von Constanze von Bullion

Sieben Monate ist es her, dass Gregor Gysi sich mit großem Tamtam von der Spitze der Linken im Bundestag zurückgezogen hat. Die viele Freizeit aber taugt ihm wohl nicht, andauernd meldet er sich aus dem Off mit Kritik. Die Partei sei saft- und kraftlos geworden, schimpft er jetzt, sie verliere Boden an die AfD und habe keine Ideen zur Flüchtlingsintegration. Dass Gysi sich für unverzichtbar hält, kann man belächeln. Aber er warnt kurz vor dem Parteitag mit Grund.

Unter den etablierten Parteien ist die Linke an ihrer Basis am anfälligsten für rechtspopulistische Verlockung, nach der Union. Erwerbslose, Arbeiter und Gewerkschafter sind bei den letzten Wahlen in Scharen von der Linken zur AfD gelaufen. Die Weltanschauungen sind da keineswegs inkompatibel. Viele junge Linke helfen Flüchtlingen, ja. Bei älteren ostdeutschen Wählern aber ist es oft nicht weit vom Heimweh nach dem autoritären Staat zu Fremdenangst und AfD.

Gysi gehört mit Parteichefin Katja Kipping zu den wenigen, die endlich in diesem Sumpf stochern und sich offen gegen Sahra Wagenknecht stellen. Vieles, was die Fraktionschefin zu Flüchtlingen sagt, fördert Sozialneid statt Solidarität. Wenn Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch weiter dazu schweigt und auch der Parteitag sich hier wegduckt, gibt die Linke der Rechtsdrift an der Basis nach. Sie braucht mehr Mut zum Zoff mit dem eigenen Wähler. Sonst macht er 2017 in aller Stille rüber.

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