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Libyens Armee:Gaddafi hat die eigene Armee gezielt geschwächt

In Ghardabiya nahe Gaddafis Geburtsstadt Sirte und in Bab al-Asisiya in Tripolis stehen Einheiten wie die bestens bewaffnete Khamis-Miliz. Sie soll mehrere tausend Mann stark sein. Die Truppe gilt als die kampfstärkste der verschiedenen paramilitärischen Kräfte: Kommandiert wird sie vom Gaddafi-Sohn Khamis. Trainiert wurde sie Medienberichten zufolge von Offizieren der britischen Elitetruppe SAS; auch das US-Militär pflegte engen Kontakt.

East Libya situation

Nicht viel mehr als Gewehre, Stöcke und Steine haben die Aufständischen in Libyen den hochgerüsteten Milizen des Diktators entgegenzusetzen.

(Foto: dpa)

Im Gegensatz zum libyschen Heer verfügt die Khamis-Miliz über moderne Waffen, über Helikopter und Raketenwerfer. Eine weitere Miliz wird von Gaddafis Sohn Saadi befehligt. Dessen Bruder Mutasim wiederum ist Nationaler Sicherheitsberater. Dazu kommen Revolutionsgarden, Stammesmilizen, eine panafrikanische Legion. Die Macht der Gaddafi-Familie beruht auf diesen Truppen.

Genaue Zahlen über deren Stärke gibt es nicht. Der Diktator hat bewusst Parallelstrukturen aufgebaut. Die libysche Exil-Oppositionsgruppe Human Rights Solidarity behauptet, der Staatschef habe 30.000 Milizionäre unter Waffen. Dies dürfte übertrieben sein. Aber Gaddafi mietet sich in Staaten wie dem Tschad, Sudan, Guinea, Angola, Burkina Faso oder Benin zusätzliche Kämpfer. Beim Versuch, den Aufstand niederzuschlagen, sollen sie gleich zu Beginn besonders brutal vorgegangen sein. Die Aufständischen haben Hunderte von ihnen getötet oder gefangengenommen. Angeblich lässt Gaddafi derzeit neue Söldner einfliegen. Viele der benachbarten afrikanischen Diktatoren sind ihm zu Dank verpflichtet. Er hatte ihre Rebellenbewegungen finanziert, bevor sie zu Präsidenten aufstiegen.

Die eigene Armee hingegen hat er gezielt geschwächt: Er wollte einem Coup vorbeugen. Gaddafi selbst, damals Hauptmann, hatte den libyschen König 1969 mit einem Armeeputsch seiner "Freien Offiziere" gestürzt. Der Niedergang der libyschen Armee begann in den achtziger Jahren. Gaddafi war damals Bundesgenosse der Sowjets, träumte von einer Union Libyens mit den afrikanischen Staaten der Sahelzone. Er suchte zugleich Zugriff auf die Uran-Vorkommen auf der tschadischen Seite des Grenzgebiets. Der nach dem Putsch zum Oberst aufgestiegene Revolutionsführer mischte sich in den Bürgerkrieg in dem bitterarmen afrikanischen Land ein, schickte ein Expeditionskorps.

Der Tschad wurde Gaddafis Afghanistan. Mehrere tausend Soldaten fielen, der Krieg soll ihn zwei Millionen Dollar täglich gekostet haben. Seine Armee fand sich auf einem Schauplatz des Kalten Kriegs wieder: Franzosen und Amerikaner unterstützten Gaddafis Gegner. Offiziere meuterten. Einer soll ein Attentat versucht haben. Am Ende stand die Niederlage im Tschad. Es folgte die gewollte Schwächung der Streitkräfte.

Seine Milizen ließ Gaddafi dann vor allem nach seiner politischen Kehrtwende und seiner Annäherung an den Westen aufrüsten. Europäer und Amerikaner begannen die Paramilitärs auszubilden. 2004 wurde das EU-Waffenembargo aufgehoben. 2007 einigten sich Tripolis und Paris auf die Lieferung von 14 Jets, 35 Hubschraubern, Panzerabwehrraketen sowie auf das Training libyscher Einheiten. Großbritannien unterzeichnete ein Militärabkommen, das Ausbildung umfasst. Auch Italien arbeitete mit Gaddafi militärisch zusammen.