Landtagswahl in Saarbrücken:"Haben die Leute wirklich keine anderen Probleme?"

Am späten Abend wird klar: Es reicht tatsächlich nicht für ein Bündnis aus SPD und Linkspartei, damit bleiben vor allem den Christdemokraten etliche Herausforderungen erspart. Kramp-Karrenbauer, die unangefochtene Spitzenfrau der Partei, hatte angekündigt, nur als Ministerpräsidentin in der Landespolitik zu bleiben.

Das meinte sie auch zuletzt ernst - und nicht nur am Jahresanfang, als sie als nahezu unschlagbar galt: Äußerst populär daheim, die große Koalition, die sie jetzt nur noch geschäftsführend anführt, war und ist die erklärte Lieblingskonstellation der Saarländer. Kramp-Karrenbauer, 54 Jahre alt, verheiratet und Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder, sei die beliebteste CDU-Politikerin des Saarlands, sagen auch die SPD-Leute.

Dass sie es in den vergangenen zwei Monaten mit zwei SPD-Herausforderern zu tun haben würde, hatte sie indes nicht geahnt. Mit der sozialdemokratischen Spitzenkandidatin Anke Rehlinger, so kalkulierte die CDU am Jahreswechsel, werde man irgendwie fertig. Schließlich ist die Ministerpräsidentin weitaus bekannter und beliebter als ihre bisherige Stellvertreterin und Wirtschaftsministerin. Nerven behalten, Haltung demonstrieren, lauteten die inoffiziellen schwarzen Wahlkampfslogans. Kramp-Karrenbauer warf ihr gesamtes Ansehen und ihre große Errungenschaft, den neuen, für das Saarland von 2020 an vorteilhaften Bund-Länder-Finanzausgleich, in die Waagschale. Das funktionierte nicht schlecht. Aber nur bis zu jenem Moment, als Martin Schulz auf die bundesdeutsche politische Bühne trat.

Dieses rote Beben ging natürlich auch am Saarland nicht vorbei. Der SPD-Kanzlerkandidat schenkte der Landespartei und damit auch Rehlinger Glanz. Die 40-jährige Juristin, Mutter eines Schulkindes und ebenso wie Kramp-Karrenbauer sachlich, bodenständig und allürenfrei, nahm diese Hilfe dankbar in Kauf. Auch wenn es ihr ab und an Geduld abforderte. War Schulz im Saarland, interessierte sich kaum ein Mensch für das, was Rehlinger zu sagen hatte. Alles drängte sich um den Kanzlerkandidaten.

Doch nun ist die andere, ist Annegret Kramp-Karrenbauer die Königin des Abends. Dass sie maßgeblich für das Spitzenergebnis verantwortlich ist, sagt jeder aus der CDU. Schon früher einmal hatten ihre Anhänger sie als Nachfolgerin für Merkel ins Gespräch gebracht. Sie selbst hatte das damals auf die ihr eigene, trocken-spröde Art kommentiert mit Sätzen wie: "Haben die Leute wirklich keine anderen Probleme?" Jetzt, nach einem solchen Erfolg, wird sie in die Reihe der mutmaßlichen Merkel-Erben aufrücken. Wie man Kramp-Karrenbauer kennt, wird ihr das keine Freude, sondern Last sein.

© SZ vom 27.03.2017
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