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Österreich in der Corona-Pandemie:Die Migranten, wie üblich

Austria's Chancellor Kurz addresses the media in Vienna

Regiert seit Anfang 2020 mit den Grünen: Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP)

(Foto: LEONHARD FOEGER/REUTERS)

Österreichs Kanzler Kurz sucht Sündenböcke, um vom eigenen Versagen in der Corona-Krise abzulenken. Damit zersetzt er den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Kommentar von Marija Barišić

Wenn in Österreich etwas nicht funktioniert, kann man beginnen, von zehn herunterzuzählen - und bevor man bei fünf ankommt, sagt meist schon der erste Politiker: "Die Ausländer waren's!"

Am Mittwoch übernahm Sebastian Kurz diese Rolle. Ende des Sommers hätten "vor allem Personen mit Wurzeln am Balkan und der Türkei das Virus nach Österreich geschleppt".

Die undisziplinierten Migranten, sollte das heißen, sind also schuld an den hohen Infektionszahlen. Und so etwas sagt der Bundeskanzler des Landes, in dem das Ski-Örtchen Ischgl liegt.

Kurz höhnt, um vom eigenen Versagen abzulenken

Man kann für Kurz nur hoffen, dass die meisten "Personen mit Wurzeln am Balkan und der Türkei" nicht zugehört haben. Seit Beginn der Pandemie sind sie es, die raus müssen in die Supermärkte und Großküchen.

Sie sind es, die unterbezahlt und überarbeitet österreichische Krankenhäuser putzen und Infizierte pflegen. Viele von ihnen haben sich genau deswegen angesteckt, nicht wegen Verwandtenbesuchen im Sommer.

Nein, diese Menschen brauchen kein Mitleid, aber sie verdienen Respekt. Sebastian Kurz verhöhnt sie öffentlich, um von seinem eigenen Versagen abzulenken. Das ist feige und betrifft nicht nur die, die er zu Sündenböcken macht. Er zersetzt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der während der Pandemie so wichtig wäre.

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© SZ/jok/odg
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