Krise in Venezuela:Hunderttausende Venezolaner demonstrieren gegen Präsident Maduro

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Krise in Venezuela: Mehr als eine Million Menschen fordern ein rasches Referendum über den Amtsverbleib von Präsident Maduro.

Mehr als eine Million Menschen fordern ein rasches Referendum über den Amtsverbleib von Präsident Maduro.

(Foto: AP)

Sie fordern ein Referendum, um den sozialistischen Präsidenten abzusetzen. Seit dem Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen ist das Land tief gespalten.

Kräftemessen in den Straßen von Caracas: Im Osten der venezolanischen Hauptstadt haben Hunderttausende Regierungskritiker für eine zügige Volksabstimmung gegen den sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro demonstriert.

In Caracas blockierten sie am Donnerstag wichtige Straßen der Hauptstadt und skandierten "Referendum jetzt". Gleichzeitig gingen im Zentrum der Stadt zahlreiche Regierungsanhänger auf die Straße, um Maduro zu unterstützen. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte, die Lager auseinanderzuhalten.

Die Protestmärsche blieben in weiten Teilen friedlich, nur vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Das Oppositionsbündnis MUD berichtete, Sicherheitskräfte hätten Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Außerdem hätten Regierungsanhänger den Protestzug infiltriert, um zu provozieren und Unruhe zu stiften.

Oppositionssprecher Jesús Torrealba sprach nach dem Ende des Protests von der "größten Demonstration der letzten Jahrzehnte". An dem "historischen Marsch" hätten zwischen 950 000 und 1,1 Millionen Menschen teilgenommen. Im Osten von Caracas - einer Hochburg der Opposition - hatten sich viele in weiß gekleidete Demonstranten eingefunden, die venezolanische Flaggen schwenkten.

Die Regierung könnte das Referendum bis nächstes Jahr hinauszögern

Hintergrund der Demonstrationen ist, dass die Wahlbehörde des Landes den Termin für ein zweites Referendum gegen Maduro zuletzt auf Ende Oktober festgelegt hatte. Bereits im Mai hatte das Oppositionsbündnis mehr als zwei Millionen Unterschriften für eine Volksabstimmung über den Amtsverbleib des Präsidenten gesammelt - umsonst. Die Regierung erklärte den Antrag damals wegen Formfehlern für ungültig. Der neue Termin im Oktober ist den Demonstranten nun zu spät, denn so könnte die Regierung das Referendum bis ins kommende Jahr hinauszögern.

"Unsere Partei wird diese Rechten friedlich schlagen, unser Sieg wird der Frieden sein", sagte Freddy Bernal von der sozialistischen Partei Venezuelas. Die sogenannten Chavisten sehen durch die Proteste der Opposition das Erbe und die sozialen Errungenschaften des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez gefährdet. Der "rechte Staatsstreich" sei gescheitert, die Sozialisten hätten das Kräftemessen am Tag der Großdemonstrationen gewonnen, sagte Maduro auf einer Kundgebung.

Er warf der Opposition vor, die Bürger zur Gewalt anzustacheln. Der Staatschef beschuldigte den oppositionellen Parlamentspräsidenten Henry Ramos Allup, "Hass, Vergeltung, Faschismus und Gewalt zu fördern". Er werde die Immunität der Abgeordneten des von der Opposition kontrollierten Parlaments per Dekret aufheben, kündigte er bei der Kundgebung der Sozialisten am Donnerstag an. "Ich bin entschlossen, das Vaterland und die Souveränität des venezolanischen Volkes mit allen Mitteln zu verteidigen."

Die Opposition will ein baldiges Referendum erzwingen

Die Opposition kündigte weitere Demonstrationen an, um ein baldiges Referendum gegen Maduro zu erzwingen. Am 7. September wollen die Regierungsgegner in den Provinzhauptstädten sechs Stunden auf die Straße gehen, am 14. September zwölf Stunden, wie MUD-Chef Jesús Torrealba sagte.

Venezuela ist tief gespalten: Seit dem Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen Ende vergangenen Jahres beharken sich Regierung und Volksversammlung. Zudem leidet das Land seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. In den Supermärkten fehlt es an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Wegen der Krise schwindet in der Bevölkerung der Rückhalt für die seit 17 Jahren regierenden Sozialisten. Die Opposition fordert daher Maduros Absetzung.

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