Krieg in Syrien 100 eingeschlossene Kinder in Aleppo unter Beschuss

Ein Mann in Aleppo versucht, seine Kinder in Sicherheit zu bringen.

(Foto: AFP)
  • Unicef zufolge sind mindestens 100 Minderjährige, die in einem Gebäude eingeschlossen sind, in akuter Lebensgefahr.
  • Den Vereinten Nationen liegen außerdem Berichte über die Tötung von mindestens 82 Zivilisten in von syrischen Regierungstruppen eroberten Gebieten Aleppos vor.
  • Nach Angaben der Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations sind bei einem Giftgasangriff in der Nähe der syrischen Stadt Hama 93 Menschen getötet worden.

Im syrischen Aleppo sind nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) zahlreiche Kinder in einem unter Beschuss stehenden Gebäude eingeschlossen. In dem Haus in einem von den Rebellen gehaltenen Viertel säßen möglicherweise mindestens 100 Minderjährige fest, sagte Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere am Dienstag. Die Weltgemeinschaft müsse für diese Kinder einstehen und diesem Albtraum ein Ende setzen. Unicef sei zudem zutiefst besorgt wegen unbestätigten Berichten über ungesetzliche Tötungen von Zivilisten und Kindern.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben in den vergangenen Tagen den größten Teil der bislang von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel Aleppos erobert. Dabei haben sie nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen Tagen mindestens 82 Zivilisten im Ostteil Aleppos getötet. In insgesamt vier Stadtvierteln seien unter anderem elf Frauen und 13 Kinder umgebracht worden, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville, in Genf. Soldaten seien in Häuser eingedrungen und hätten Zivilisten an Ort und Stelle erschossen. Wo genau dies geschehen sei, könne er nicht sagen. Die Berichte stammten von Montagabend.

Rebellenvertreter hatten der Armee bereits am Montag vorgeworfen, in den von ihr eroberten Gebieten reihenweise Aufständische zu erschießen. Das Militär wies das zurück und sagte, die Rebellen versuchten mit dieser Darstellung nur, internationale Sympathien zu gewinnen.Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben in den vergangenen Tagen den größten Teil der bislang von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel Aleppos erobert. Die völlige Einnahme der seit 2012 umkämpften Stadt Aleppo wäre der bislang größte militärische Erfolg des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Hilfsorganisation spricht von Giftgasangriff nahe Hama

Nach Angaben der Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) hat es einen Giftgasangriff auf Aqeerbat gegeben haben, einem Vorort der syrischen Stadt Hama. Dabei sollen 93 Zivilisten getötet und mehr als 300 verletzt worden sein. UOSSM zufolge zeigten zahlreiche Opfer Symptome, die auf eine Attacke mit chemischen Waffen hinweisen. So zeigten die Toten keine Spuren physischer Gewalt. Die Überlebenden litten unter Übelkeit und Atemnot. Unter den Opfern seien viele Kinder.

Der Angriff ereignete sich demnach am Montagmorgen gegen 6.30 Uhr Ortszeit. Zuvor gab es bereits Berichte über zahlreiche tote Zivilisten bei einer Serie von Luftangriffen auf die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Hama. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien hatte danach mitgeteilt, einige der Todesfälle seien auf Ersticken zurückzuführen. Man könne aber nicht bestätigen, dass es sich um einen Giftgasangriff gehandelt habe. Zudem sei unklar, ob die Angriffe im Osten der Provinz Hama von syrischen Regierungstruppen oder der russischen Luftwaffe geflogen worden seien.

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Im Syrien-Konflikt hatten sowohl die syrische Regierung als auch der IS bereits Giftgas eingesetzt; derartige Fälle hatte eine UN-Untersuchungskommission in einem Bericht dokumentiert.

Die Attacken am frühen Montagmorgen zielten nach Angaben der Beobachtungsstelle auf mehrere vom IS kontrollierte Ortschaften. Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, beruft sich auf zahlreiche Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

Der Vorsitzende von UOSSM in den USA, Khaula Sawah, wies auch darauf hin, dass derzeit etwa 100 000 Menschen in Ost-Aleppo eingeschlossen seien. "Sie warten auf den Moment des Todes, viele schreiben ihr Testament", sagte Khaula. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, das Massaker zu stoppen.

UOSSM ist nach eigenen Angaben eine Vereinigung humanitärer Nichtregierungsorganisationen unter anderem aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Deutschland, die medizinische Hilfe in Syrien leisten.