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Krieg in Syrien:Berichte: Letzter Kinderarzt von Aleppo ist tot

Menschen in den Trümmern nach den neuerlichen Angriffen in Aleppo.

(Foto: AFP)
  • Die Lage in der umkämpften Stadt Aleppo spitzt sich weiter zu.
  • Bei Angriffen der Regierungstruppen sind zahlreiche Zivilisten getötet worden.
  • Unter ihnen ist nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und des Zivilschutzes der letzte Kinderarzt der Stadt.

Bei neuen Angriffen in der umkämpften syrischen Metropole Aleppo sind am Donnerstag offenbar Dutzende Zivilisten getötet worden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und des russischen Zivilschutzes war der letzte Kinderarzt der Stadt unter den Getöteten.

Er starb demzufolge bei einem Angriff der Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad auf ein Krankenhaus. Zudem seien ein Zahnarzt und drei Krankenschwestern getötet worden. Die syrische Regierung wies die Verantwortung für die Luftangriffe auf das Krankenhaus zurück. Die Luftwaffe habe nichts damit zu tun, berichtete das staatliche Fernsehen.

Insgesamt haben die Angriffe der Assad-Truppen seit der Nacht zum Donnerstag 50 Menschenleben gefordert. In den Bezirken, die von Regierungstruppen gehalten werden, gab es bei Attacken der Rebellen demnach 18 Tote.

UN warnen vor "katastrophalem Monat" in Syrien

Offiziell gilt seit Ende Februar eine Feuerpause zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Nachdem diese zunächst weitgehend eingehalten wurde, waren vor allem in Aleppo die Kämpfe zuletzt wieder aufgeflammt.

Die UN warnen vor einem "katastrophalen Monat" in Syrien. "In den nächsten Stunden und Tagen steht unglaublich viel auf dem Spiel", sagte der UN-Nothilfe-Experte Jan Egeland. Trotz der Waffenruhe würden viele Menschen getötet und verletzt. "Keine andere Gruppe wird so unter Feuer genommen wie Ärzte und Sanitäter." Auch würden Ärzte daran gehindert, Verletzten und Kranken zu helfen, sagte der UN-Experte.

Angesichts der Gefahr eines völligen Zusammenbruchs der Waffenruhe rief der Sonderbeauftragte der UN für Syrien, Staffan de Mistura, die USA und Russland zu einer neuen gemeinsamen Friedensinitiative auf. Sie müsse "auf höchster Ebene" unternommen werden.

Erst wenn die seit Tagen anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhörten, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen, sagte De Mistura. Seit vergangenem Freitag starben nach Angaben von Aktivisten allein in Aleppo mehr als hundert Menschen.

© SZ.de/afp/dpa/bepe/mmm/feko
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