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Kreditkartenfirmen:Neues Kabel, neuer Verdacht

In den Kommentarspalten internationaler Medien (darunter auch sueddeutsche.de) wird seit der Sperrung von Wikileaks durch Visa und Mastercard eifrig darüber spekuliert, welche Gründe die beiden Kreditkartenunternehmen für ihren Schritt haben könnten. Immer wieder tauchte dabei der Verdacht auf, die Firmen könnten selbst ins Visier von Wikileaks geraten sein und eine Veröffentlichung fürchten.

Am Mittwochnachmittag veröffentlichte der Guardian, einer der fünf Medienpartner von Wikileaks, nun tatsächlich eine Geschichte über US-Botschaftsdepeschen, in denen es um die beiden Kreditkartenfirmen geht. Das Dokument vom 1. Februar dieses Jahres dürften für ein kräftiges Anschwellen von Verschwörungstheorien sorgen.

Ein Verdacht und eine Klage

Dem Guardian zufolge haben US-Diplomaten heftige Lobbyarbeit bei hochrangigen russischen Politikern betrieben - um die Geschäftsinteressen von Visa und Mastercard auf dem wichtigen Markt zu wahren. Im Visier der US-Lobbyisten: Ein Gesetzentwurf des russischen Parlaments mit dem Ziel, ein nationales Kreditkartensystem ins Leben zu rufen.

Ein Konsortium aus russischen Staatsbanken würde das System nicht nur leiten, sondern auch alle Gebühren für innerrussische Kreditkartentransaktionen kassieren. Private Firmen wie Visa oder Mastercard gingen leer aus. In der Botschaftsdepesche wird dieses Geschäft mit vier Milliarden Dollar beziffert.

Wirtschaftspolitik gehört freilich zum diplomatischen Alltag. Auf der Internet-Seite des Guardian überschlagen sich die User nun dennoch mit Verdächtigungen. Die gängige These dort: Visa und Mastercard haben Wikileaks auf Geheiß der US-Regierung den Geldhahn zugedreht.

Inzwischen hat der isländisch-schweizerische IT-Dienstleister Datacell, der für Wikileaks den Spendeneingang via Kreditkarten abwickelt, eine Klage gegen Visa und Mastercard angekündigt. Laut BBC fürchtet Datacell eine Schädigung der eigenen Geschäfte und will die beiden Firmen dazu bringen, Zahlungen an die Enthüllungsplattform wieder zuzulassen.

Wikileaks ist indes nicht komplett vom Geldzufluss abgekapselt: Nach Angaben der Verantwortlichen sind ein Konto bei der deutschen Commerzbank und der isländischen Landsbanki weiterhin aktiv. Auch der Mikro-Bezahldienst Flattr nimmt Spenden entgegen.