Kramp-Karrenbauer regiert im Saarland Verdorbener Auftakt

Es hätte ein Signal sein können für das Saarland: Eine Frau als Ministerpräsidentin, relativ jung, mit eigener Meinung, die dazu nicht in abgedroschenen Floskeln spricht. Aber ihre Premiere wurde unsinnigerweise verborben - von mittelmäßigen Politikern, die sich aus gekränkter Eitelkeit mehr um sich sorgen als um das Gemeinwohl.

Ein Kommentar von Marc Widmann

Es hätte so ein verheißungsvoller Start werden können im Saarland: Eine noch relativ junge Ministerpräsidentin übernimmt die Macht, eine unkomplizierte Frau, die nicht in den üblichen Politikerfloskeln spricht, sondern tatsächlich noch eine eigene Meinung besitzt und auch den Mut, sie auszusprechen; selbst wenn sie konträr liegt zur Kanzlerin. Es gibt in diesen Tagen kaum noch CDU-Ministerpräsidenten, die so erfrischend offen sind wie Annegret Kramp-Karrenbauer. Jetzt ist sie zwar gewählt. Aber zwei ihrer Abgeordneten haben ihre Premiere unsinnigerweise völlig verdorben.

Erst im zweiten Durchgang gewählt: Annegret Krampf-Karrenbauer, die neue Ministerpräsidentin des Saarlandes, nimmt nach ihrer Wahl, die Glückwünsche ihres Grünen Kollegn Hubert Ulrich entgegen.

(Foto: dapd)

Natürlich sind geheime Abstimmungen dazu da, dass Parlamentarier frei nach ihrem Gewissen entscheiden. Doch liegt der Verdacht nahe, dass es diesmal überhaupt nicht um grundsätzliche politische Bedenken ging - schließlich ist es bisher noch nie vorgekommen, dass der Jamaika-Koalition im Landtag eine Stimme fehlte. Vermutlich ging es, ganz banal, um gekränkte Eitelkeit. Da gibt es offenbar Parlamentarier, die sich selbst für ausgesprochen talentiert halten, mit dieser Meinung aber allein dastehen; sie haben womöglich keinen Posten abbekommen. Ihre Rache kommt dann aus dem Hinterhalt. Solche Menschen gibt es überall, aber es ist ungut, wenn sie Politik machen und in erster Linie für sich kämpfen statt fürs Gemeinwohl.

Das winzige Saarland hat es besonders schwer: Wer hier Politiker wird, der muss vor allem Schulden verwalten. Viele Politiker haben keine Lust, sich das anzutun - also den Mangel klug zu verwalten. Im Landtag sitzen auch Leute, die es anderswo schwer hätten, überhaupt ins Stadtparlament zu kommen. Solange das so ist, kann es immer mal wieder zu Überraschungen kommen.