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Korea-Krise:Drohung und Gegendrohung

Nordkoreas Provokationen sind eine Überlebensstrategie, die Südkorea mit Zurückhaltung ertragen hat. Doch nun riskiert auch Seoul mit Kriegsspielen den Frieden.

Nordkorea provoziert, das gehört zu seiner Überlebensstrategie. Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren mit Kanonen und Raketen gedroht, bis es gefährlich wurde.

A resident wears a gas mask in an air raid bunker on Yeonpyeong Island

Die Bewohner der südkoreanischen Insel Yeonpyeong fürchten einen Angriff Nordkoreas als Reaktion auf die Übungen des südkoreanischen Militärs.

(Foto: Reuters)

Dann willigte es in Verhandlungen ein, bei denen es Wohlverhalten gegen Nahrungshilfe und Energielieferungen eintauschte.

Blieben Teile der versprochenen Hilfe aus den USA und Japan aus, wie immer wieder geschehen, angeblich weil der Norden betrog, dann begann der Zyklus von Neuem.

Das Regime will keinen Krieg, es würde ihn nicht überleben. Man dürfe das "schlechte Benehmen" nicht honorieren, hieß es dazu in Washington stets.

Dennoch haben sich Südkorea, die USA in Bushs zweiter Amtsperiode, und früher auch Japan darauf eingelassen. So konnten sie den Norden einbinden und auf Zeit spielten.

Ohnehin gab es keine Alternative. Selbst ein kurzer Krieg würde das "Wunder am Han" zerstören, wie man Südkoreas Aufstieg nennt. Bisher hat Südkorea die Provokationen Pjöngjangs stets mit Zurückhaltung erduldet. Das freie, reiche Korea war auch das vernünftige Korea.

Doch jetzt provoziert auch Seoul, seine Generäle reden fast wie jene des Nordens, sie drohen, das Bruderland "total platt zu machen". Und die Obama-Regierung ermutigt Südkoreas Präsident Lee Myung Bak, sich seinerseits "schlecht zu benehmen".

Seoul provoziert den Norden mit immer neuen Kriegsspielen vor seiner Küste. Die Kims in Pjöngjang werden nicht nachgeben, sie sind Gefangene ihrer eigenen Propaganda, zumal sie von ihrer Wirtschaftsmisere ablenken müssen.

Deshalb wäre Seouls bisher so weise Zurückhaltung wichtiger denn je. Aber sie ist, nimmt man Lee beim Wort, heute unwahrscheinlicher denn je.

© SZ vom 20.12.2010/mcs
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