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Konflikt mit der Türkei:Türkischer Außenminister will Beziehung zu Deutschland normalisieren

Turkey's Minister of Foreign Affairs Mevlut Cavusoglu departs a meeting to discuss the Rohingya situation during the United Nations General Assembly in New York City

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu richtet versöhnliche Töne an Berlin.

(Foto: REUTERS)
  • Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu spricht sich für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen zu Deutschland aus.
  • "Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei", sagte er in einem Interview mit dem Spiegel.
  • Nach Monaten harscher Töne aus Ankara hatte sich vor einer Woche bereits der türkische Ministerpräsident Yıldırım ähnlich versöhnlich geäußert.

Nazi-Vergleiche, Einmischung in den deutschen Wahlkampf und zuletzt noch eine Warnung vor Reisen nach Deutschland - in den vergangenen Monaten hatte die Regierung in Ankara schärfste Töne nach Berlin gerichtet. Nun sind wieder gemäßigtere Töne zu vernehmen.

Nach dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım hat sich auch Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen zu Deutschland ausgesprochen. "Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei", sagte Çavuşoğlu in einem Interview mit dem Spiegel. "Wenn Ihr einen Schritt auf uns zugeht, gehen wir zwei auf Euch zu."

Sollte es in Berlin zur Bildung einer Jamaika-Koalition kommen, sei die Türkei auch bereit, gegebenenfalls mit einem zukünftigen Außenminister Cem Özdemir zusammenzuarbeiten, sagte Çavuşoğlu. Der Grünen-Chef ist ein scharfer Kritiker Erdoğans. Zugleich verteidigte Çavuşoğlu die massiven Angriffe Erdoğans. Die Nazi-Vergleiche Erdoğans seien eine "Antwort auf die Feindseligkeiten" aus Deutschland gewesen. "Die Bundesregierung muss lernen, die Türkei zu respektieren."

Auch der Ministerpräsident will ein "neues Kapitel" aufschlagen

Im Fall des inhaftierten deutsch-türkischen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel verwies Çavuşoğlu auf die Unabhängigkeit der Justiz. Im Fall des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner, der ebenfalls in der Türkei inhaftiert ist, habe er sich jedoch für eine Beschleunigung des Verfahrens eingesetzt, sagte Çavuşoğlu .

Ministerpräsident Binali Yıldırım hatte in der vergangenen Woche gesagt, man müsse ein "neues Kapitel" mit Berlin aufschlagen und die Beziehungen "reparieren".

Die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin sind derzeit auf einem Tiefpunkt. Im Streit um die angebliche Unterstützung Deutschlands für Terroristen und die Verbote von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Deutschland hatte die türkische Führung die deutsche Regierung in den vergangenen Monaten mit immer schärferen Tönen angegriffen.

Zugleich hatte sie Berlin mit der Forderung auflaufen lassen, mehrere deutsche Staatsbürger freizulassen, die in der Türkei ohne nachvollziehbare Gründe inhaftiert worden sind. Die Bundesregierung erwägt wegen der Differenzen auch ihrerseits ein härteres Vorgehen gegen die Türkei.

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