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Katalonien:Puigdemont bezeichnet sich als "legitimer Präsident Kataloniens"

Doch in den vergangenen Wochen ist er zum Kämpfer geworden, zumindest aus der Ferne. Seine Berater hoffen, dass die Demokratisch-Europäische Partei (PDCat), die ihn als Spitzenkandidaten aufgestellt hat, die größte Fraktion stellen wird. Dann würde er sofort zurückkommen, Rajoy würde es kaum wagen, den Sieger demokratischer Wahlen ins Gefängnis werfen zu lassen. Und er würde dafür sorgen, dass die Aktivisten, die sich noch in Untersuchungshaft befinden, sofort freikämen.

Doch nicht nur die Linksrepublikaner liegen in den Umfragen vor ihm, sondern auch die liberale Bürgerpartei "Ciudadanos", deren Spitzenkandidatin Inés Arrimadas ihn als politischen Bankrotteur verspottet. Die junge Anwältin, die energisch für die Einheit Spaniens streitet, hat es geschafft, bei ihrem Auftritt in Girona 15 000 Menschen auf die Beine zu bringen.

Die eigentliche Gegenspielerin Puigdemonts, der sich im belgischen Exil unverdrossen weiter als "legitimer Präsident Kataloniens" bezeichnet, aber bekamen die Einwohner der Stadt nicht zu sehen: die spanische Vizepremierministerin Soraya Saenz de Santamaría, die Rajoy mit der Führung der Regierungsgeschäfte in Barcelona bis zur Wahl eines neuen Regionalpremiers beauftragt hat.

Ihr Auftritt in Girona mit den Kandidaten der konservativen Volkspartei (PP) war eine geschlossene Veranstaltung. Die PP steht für die Stärkung Madrids gegenüber den Regionen, vor allem ist sie, was ihr in Katalonien immer wieder angekreidet wird, aus einer Gruppierung von Franco-Anhängern hervorgegangen - und der spanische Diktator ließ bekanntlich die katalanische Kultur unterdrücken. Allerdings kann davon heute nicht mehr die Rede sein.

Vor den eigenen Leuten nahm Soraya Saenz kein Blatt vor den Mund: Sie lobte Mariano Rajoy, dass dieser die Unabhängigkeitsbewegung "enthauptet" habe. Die Region müsse nun "gereinigt" werden. In einer politischen Runde im Lokalsender TV Girona sagte der Vertreter der PDCat dazu: "Am liebsten würden sie jetzt Puigdemont auf den Richtblock legen, um ihn einen Kopf kürzer zu machen." Dazu passend haben Aktivisten der Unabhängigkeitsbewegung einen Videoclip ins Internet gestellt; er zeigt ein Treffen des Vorsitzenden der Regionalorganisation der PP, Xavier Albiol, mit Polizisten aus anderen Regionen Spaniens, die nun in Katalonien für Ordnung sorgen sollen. Albiol gibt ihnen da auf den Weg: "Zeigt es ihnen mal richtig!"

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