Juso-Bundeskongress:Jugend ohne Kühnert

Kevin Kühnert

Kevin Kühnert ist seit 2017 Vorsitzender der Jusos.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Der scheidende Vorsitzende hat die Jusos zu einem Machtfaktor in der SPD gemacht, nun hört er auf. Seine designierte Nachfolgerin steht vor der schwierigen Aufgabe, den Parteinachwuchs im Gespräch zu halten.

Von Mike Szymanski, Berlin

Der Parteinachwuchs der SPD muss sich auf eine neue Zeit einstellen. Der Vorsitzende der Jusos, Kevin Kühnert, hört auf. Er ist vor einem Jahr als Vize in den SPD-Bundesvorstand aufgestiegen. In den Bundestag will er auch. Man könnte sagen, er ist aus der Rolle des Juso-Chefs längst herausgewachsen. Der 31-Jährige selbst formulierte es einmal so: "Man sollte wissen, wann es genug ist." An diesem Samstag, beim digitalen Bundeskongress, beginnt die Abnabelung.

Unter Kühnerts Führung haben die Jusos seit 2017 eine bemerkenswerte Entwicklung hin zu einem echten Machtfaktor in der Partei genommen. In den Anfangsmonaten hatte sich Kühnert als entschiedener Gegner der Fortsetzung der großen Koalition im Bund profiliert. Er schaffte es, Wortführer dieser Gruppe zu werden und trat bald als gefürchteter Gegenspieler der Parteispitze um Andrea Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz in Erscheinung. Kühnert wurde schon als neuer SPD-Chef gehandelt, als Nahles zurücktrat. Es gab Leute in der Partei, die sahen in ihm den nächsten Kanzlerkandidaten.

So weit ist es nicht gekommen. Dass aber die Außenseiter Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans heute SPD-Chefs sind, geht maßgeblich darauf zurück, dass Kühnert die Unterstützung der Parteilinken und vor allem seiner Jusos für dieses Bewerberduo und gegen Scholz organisierte. Und ohne seine Kehrtwende in diesem Jahr, vom Gegner zum Unterstützer von Scholz, wäre dieser wohl auch nicht Kanzlerkandidat. Geschadet hat Kühnert nicht einmal dieses waghalsige Manöver.

Jessica Rosenthal, eine 28-jährige Gesamtschullehrerin aus Bonn, soll zur neuen Vorsitzenden gewählt werden, coronabedingt per Briefwahl. Eine Gegenkandidatin oder einen Gegenkandidaten gab es bis Freitag nicht. So gut organisiert hinterlässt Kühnert das Feld. Jessica Rosenthal steht vor der schwierigen Aufgabe, die Jusos weiterhin im Gespräch zu halten. Für sie gibt es nicht den Anti-Groko-Moment, den Kühnert so für sich nutzen konnte. Es gilt derzeit, lieber keinen Krawall zu machen, um die Scholz-Kampagne nicht zu beschädigen.

Im Leitantrag gehört die Forderung, die Zahl an Immobilien zu begrenzen, die ein Mensch besitzen darf, schon zu den kühneren Ideen; nichts aber, womit Scholz wohl nicht umgehen könnte. Empfindlicher dürfte ihn ein anderer Punkt treffen. Rosenthal sagte der Süddeutschen Zeitung: "In der Krise haben sich junge Leute im Stich gelassen gefühlt." Die Hilfen für Studierende und Auszubildende reichten einfach nicht aus. Scholz ist im August als Kanzlerkandidat nominiert worden. Seither hat man zu diesen Fragen nicht viel von ihm vernommen. Darüber dürfte zu sprechen sein, wenn sich Scholz am Samstag als Gast der Jusos zuschaltet.

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