USA:Immer wieder John

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USA: John Fetterman, der demokratische Überraschungssieger aus Pennsylvania.

John Fetterman, der demokratische Überraschungssieger aus Pennsylvania.

(Foto: Matt Rourke/AP)

Warum der häufigste Vorname im US-Senat ein Politikum ist.

Von Fabian Fellmann, Washington

Hans im Glück ist in der Hauptstadt Washington, und das gleich zehnfach. Seit der Wahl von John Fetterman in Pennsylvania tragen zehn Senatoren den Vornamen John oder Jon, die englische Variante des Johannes oder eben des Hans. Bei insgesamt hundert Mitgliedern der kleinen Kongresskammer gibt das eine stolze Quote von zehn Prozent. Nicht mitgezählt ist Ron Johnson, der Republikaner aus Wisconsin, der den Hans im Familiennamen trägt.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass John damit der häufigste Name im 118. Kongress ist. Er war in den Vereinigten Staaten eine Weile ebenso beliebt wie in deutschsprachigen Ländern der Hans. Allerdings ist bei den Amerikanern die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie dabei an John Adams, den Gründervater und zweiten US-Präsidenten, an Johannes den Täufer oder die Fernsehfigur John Boy Walton denken - und nicht an den Hans im Glück aus Grimms Märchen.

Der Johannes und der Hans spielen in zehn von Grimms Märchen die Hauptrolle. Die Gebrüder Grimm schrieben ihnen eine breite Palette von Eigenschaften zu. Nicht alle Protagonisten waren so bemitleidenswerte Gestalten wie Hans Dumm oder Hans im Glück. Letzterer hat es mit seinen Bad Deals immerhin als abschreckendes Beispiel bis in die amerikanischen Kinderstuben geschafft. Die Grimms erzählen jedoch auch vom treuen Johannes, dem gescheiten Hannes und dem Eisenhans.

Ebenso verschieden sind die Johns im US-Senat: Sie reichen vom linken glatzköpfigen und tätowierten Hünen John Fetterman aus Pennsylvania bis zum texanischen Republikaner John Cornyn. Bei Konservativen scheint der Name, der auf hebräische Wurzeln zurückgeht und "Gott ist gütig" bedeutet, etwas beliebter zu sein: Sechs Senatoren der Republikaner heißen John, bei den Demokraten sind es je zwei Johns und Jons.

Mehr Johns als Afroamerikaner

In der nicht als besonders entspannt bekannten amerikanischen Politik wurde die Angelegenheit sofort zum Politikum. Die Washington Post fand heraus, dass John vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg sehr beliebt war - besonders bei weißen Amerikanern. Jedes 25. männliche Baby trug damals diesen Namen, das ergab Platz drei auf der Rangliste der Beliebtheit.

Dennoch seien die Johns mit zehn Prozent Senatoren deutlich überrepräsentiert, folgerte die Post, und wies darauf hin, dass im Senat in Zukunft mehr Johns als Latinos und Afroamerikaner säßen. Immerhin: Im Kongress sind es elf Männer mit Vornamen John, was 3,5 Prozent der männlichen Repräsentanten entspricht - eine angemessenere Abordnung.

Dennoch ist Senator John nun ein weiteres Symbol für die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Dominanz weißer Amerikaner. Und jenes der älteren Generationen: Wohl ist der demokratische Senator Jon Ossoff aus Georgia erst 35 Jahre alt und damit noch sehr jung. Doch im Schnitt sind die zehn Johns im Senat 68,4 Jahre alt, 30 Jahre älter als die Bevölkerung. Dort verschwinden die Johns langsam, nur 0,4 Prozent der männlichen Sprosse werden heute noch so genannt - verdrängt von Liam, Noah und Oliver. Bis auch die im Glück ankommen, wird es aber noch mindestens 35 Jahre dauern.

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