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Ermordeter Journalist: Familie vergibt Mördern von Jamal Khashoggi

Ein Wandbild nahe des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul erinnert an Jamal Khashoggi.

(Foto: AP)

Der Kritiker des saudi-arabischen Königshauses war 2018 unter mysteriösen Umständen getötet worden. Die Herrscherfamilie streitet eine Verwicklung darin ab, fünf angebliche Täter wurden zum Tode verurteilt.

Die Familie des getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vergibt dessen Mördern. "Wenn ein Mensch vergibt und sich versöhnt, bekommt er seinen Lohn von Allah", twitterte Khashoggis Sohn Salah. "Darum verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Khashoggi, dass wir diejenigen, die unseren Vater getötet haben, begnadigen."

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Eine Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen fertigte einen akribischen Bericht über die Tat an. Der Journalist, der in den USA lebte, war ein harter Kritiker des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der de facto in dem erzkonservativen Königreich das Sagen hat.

Nach türkischer Darstellung wurde der Mord von höchster Stelle im Königreich angeordnet. Auch der US-Geheimdienst CIA und einige westliche Regierungen zeigten sich überzeugt, der Kronprinz selbst habe den Mord angeordnet. Das Königshaus stritt ab in den Fall verwickelt gewesen zu sein und sprach von einem Unfall, die Schuldigen würden bestraft. Ein Gericht in Saudi-Arabien verurteilte später fünf Menschen zum Tode. Salah Khashoggi sagte zu dem Urteil, dass "es uns gegenüber fair gewesen" und dass Gerechtigkeit erreicht worden sei.

Im Herbst 2017 hatte sich Khashoggi in die USA abgesetzt, weil er befürchtete, wegen seiner Arbeit verhaftet zu werden. Die Regierung hatte ihm da schon den Mund verboten. Er ließ alles zurück: seine Heimat, sein Haus, seine Familie, deren bekanntestes Mitglied ein Cousin war, der 2017 gestorbene Waffenhändler Adnan Khashoggi. In das Konsulat in der Türkei war er gegangen, um sich seine Scheidungspapiere abzuholen. Der saudische Botschafter in den USA, Khalid bin Salman, Königssohn und jüngerer Bruder des Kronprinzen, versicherte Journalisten treuherzig: "Jamal hat im Königreich viele Freunde, mich eingeschlossen." Trotz Meinungsverschiedenheiten habe man regelmäßig Kontakt gepflegt. Zu diesem Zeitpunkt galt der Journalist lediglich als vermisst, über seinen Tod war noch nichts bekannt.

© SZ.de/Reuters/jael
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