Italien:Und nun der "Super Green Pass"

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COVID-19 health pass checks in Rome

Carabinieri überprüfen in Rom den Green Pass.

(Foto: YARA NARDI/REUTERS)

Italien weitet die Zertifikatspflicht noch einmal stark aus. 3 G gilt nun auch im öffentlichen Nahverkehr. Und fast alles Schöne bleibt denen vorbehalten, die geimpft oder genesen sind.

Von Oliver Meiler, Rom

Mailand, Turin, Bologna, Florenz, Rom, Neapel - und wieder von vorn. Es war ein bisschen wie bei diesen Konferenzschaltungen im Fußball. Die italienischen Fernsehsender haben ihre Reporter in alle großen Städte des Landes geschickt, damit sie von der lange erwarteten Einführung des "Super Green Pass" berichten, wie die Italiener das Zertifikat nur für Geimpfte und Genesene nennen, und über die Kontrollen für 3 G im öffentlichen Nahverkehr. Der Nachrichtensender Sky TG 24 schickte einen Journalisten an den Piazzale Roma in Venedig, jenem Platz in der Lagunenstadt, an der die Pendler vom Vaporetto auf den Bus wechseln oder umgekehrt, wohl eines der romantischsten Verkehrskreuze dieser Welt. Und überall stellte sich dieselbe Frage: Wie überprüft man Millionen in Bewegung - das Morgenvolk auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, an die Universität?

Italiens Regierung weitet die Zertifikatspflicht noch einmal massiv aus, um so die Gefahr abzuwehren, dass das Land bei steigenden Infektionszahlen wieder in den Lockdown muss. Die Aussicht, dass das gelingen könnte, ist gut - noch jedenfalls. Die Impfquote der über Zwölfjährigen liegt bei fast 88 Prozent, jeden Tag werden zudem etwa eine halbe Million Booster verimpft. Die Intensivstationen sind mit 736 Covid-Patienten belegt, der Wert liegt deutlich unter der Alarmstufe. Wenn es nach Premier Mario Draghi geht, soll für Geimpfte und Genesene Weihnachten möglichst alle gewohnten Freuden bereithalten, die das Fest mit sich bringt. Im Notfall würde man die Freiheiten der Ungeimpften noch etwas weiter einschränken. Viel mehr ist allerdings nicht mehr möglich.

Seit Montag und mindestens bis 15. Januar darf also nur noch Bus, U-Bahn, Tram und Zug fahren, wer mindestens einen frischen Negativtest vorweisen kann. Bei Regelbruch drohen Strafen von 400 bis 1000 Euro. Die Verkehrsbetriebe haben Extrapersonal für die Kontrollen entsandt, in Rom begann die erste Schicht schon um fünf Uhr früh. Verstärkt wurde das Aufgebot von Carabinieri und Stadtpolizisten, die bei den Haltestellen die aussteigenden Passagiere stichprobenweise kontrollierten.

Die Akzeptanz für die strengeren Regeln ist überwältigend groß

Bisher hatte in Italien die Zertifikatspflicht lediglich für überregionale Transportmittel gegolten. Als Zertifikatsverweigerer kann man sich nun nur noch zu Fuß oder im eigenen Auto fortbewegen - und Letzteres auch nur, solange die Heimatregion im geltenden Ampelsystem nicht orange oder rot eingestuft wird. Im Moment sind außer zwei Regionen alle weiß, niedrigste Risikostufe, nur Friaul-Julisch Venetien im Nordosten und die Autonome Provinz Südtirol sind gelb.

In Südtirol, wo es besonders viele Impfskeptiker gibt, sind sogar 26 Gemeinde zu "roten Zonen" erklärt worden - und das zum Start der Wintersaison. Das benachbarte Trentino wiederum zählt zu den impffreudigsten Provinzen Italiens und bleibt weiß. Den Skipass erhält in Italien nur, wer mindestens den "normalen" Green Pass besitzt, 3 G also. Zum Essen in die Skihütte dürfen aber nur die mit dem "Super Green Pass" - oder wie er offiziell heißt: rafforzato, verstärkt. Die aktuelle Version der App "Verifica C19" zeigt beim Einlesen des QR-Codes sofort an, ob der grüne Pass nun "super" ist oder nur "basic". Super braucht man nun fürs Innere von Restaurants, für Kinos, Theater, Sportstadien, Diskotheken. Etwas kurios: DJs und Köche brauchen nur 3 G, weil am Arbeitsplatz schließlich überall 3 G reicht. Und in Museen, Archiven, Bibliotheken.

Die meisten Großstädte haben freiwillig beschlossen, in ihren Fußgängerzonen wieder Maskenpflicht im Freien einzuführen. Wer keine trägt, wird auch mal von einem Polizisten dazu angehalten. Viel Überzeugungsarbeit ist allerdings nicht nötig, überhaupt ist die Akzeptanz für die Maßnahmen überwältigend groß. Man will die einigermaßen gute, im europäischen Vergleich recht positive Ausgangslage nicht aufs Spiel setzen.

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