Israel:Am Anfang der Gewaltspirale

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Der blutige Anschlag von Jerusalem lässt alte Ängste aufleben. Viele befürchten eine neue Eskalation der Gewalt. Jetzt rächt sich, dass die relative Ruhe in den vergangenen Jahren nicht für den Friedensprozess im Nahen Osten genutzt wurde.

Peter Münch

Wenn ein lauter Knall die Luft zerreißt, wenn die Sirenen heulen und die Sicherheitskräfte hektisch durcheinander rennen, dann wird in Israel ein Trauma lebendig. Hochgespült werden die Bilder und die Ängste aus den furchtbaren Tagen der Intifada, in denen palästinensische Selbstmord-Attentäter sich in Bussen und Cafés in die Luft sprengten. Seit Jahren schon ist das vorbei, doch letztlich ist die Ruhe im Nahen Osten immer nur die Pause zwischen zwei Explosionen. Die Bombe vom Jerusalemer Busbahnhof hat dies wieder ins Bewusstsein katapultiert.

Diese Explosion ereignet sich in einer Zeit der ohnehin stark anwachsenden Gewalt. Im Westjordanland war erst vor zehn Tagen eine Siedlerfamilie einschließlich eines drei Monate alten Babys massakriert worden, rund um den Gaza-Streifen ist der gegenseitige Beschuss derzeit so heftig wie seit dem Krieg vor mehr als zwei Jahren nicht mehr, und nun hat es auch das Herz des Landes, Jerusalem, getroffen. Überall in der Krisenregion wächst die Gefahr einer schwer zu kontrollierenden Eskalation.

Die Gewalt liegt im Kalkül der radikalen palästinensischen Gruppen wie der Hamas und dem Islamischen Dschihad. Doch diese Terrororganisationen haben sich bislang auch fast immer darauf verlassen können, dass Israel auf ihre Angriffe und Provokationen mit noch mehr Gewalt antwortete. Die Regierung hält das für eine angemessene Reaktion. Mit diesem Muster jedoch kann die Region nur wieder in die finstersten Zeiten des Konflikts zurückfallen - und es könnte sich bitter rächen, dass die zurückliegende Phase der relativen Ruhe nicht für Fortschritte im Friedensprozess genutzt worden ist.

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