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Islamische Extremisten:Die ersten deutschen Märtyrer

Im Jahr Frühjahr 2008 kündigte der saarländische Konvertit Eric Breiniger in einem Video seinen Einsatz als Selbstmordattentäter an. Er reiste 2008 nach Afghanistan, die deutschen Behörden fürchteten jedoch, dass er schon bald zurückkehren würde, um Anschläge zu begehen. Nach Breininger wurde deutschlandweit mithilfe von Fahndungsplakaten auf Bahnhöfen, Flughäfen und in öffentlichen Einrichtungen gesucht. Zu einem Anschlag oder einer Festnahme sollte es allerdings nicht mehr kommen: Breininger starb im April 2010 bei einem Gefecht mit pakistanischen Soldaten in Nordwaziristan. Wenige Tage nach seinem Tod wurden seine Memoiren veröffentlicht. Der Titel: "Mein Weg ins Paradies".

Eric Breininger

Dschihadist aus dem Saarland: Eric Breininger

(Foto: AFP)

Kurz darauf tauchte ein Filmchen mit dem Titel "Frohe Botschaft aus Afghanistan" im Internet auf. Es war das erste Video der Brüder Monir und Yassin Chouka aus Bonn. Zu sehen sind junge Männer, die mit einer Kalaschnikow posieren und mit einem Raketenwerfer ins Gefecht ziehen. Es ist ein Aufruf an die Muslime daheim, in der Bundesrepublik: "Vorgeschrieben ist euch das Kämpfen.", heißt es in dem Video. Bis 2014 haben die Brüder mehr als 40 Dschihad-Werbevideos auf Deutsch produziert und über das Internet verbreitet. Sie wurden zehntausende Male angeklickt.

Der Dschihad verkommt in den Clips zu einem romantischen Abenteuer. Maschinengewehrsalven hallen durch die Berge, junge, schwerbewaffnete Männer lächeln in die Kamera. Bis heute zählen die Chouka-Brüder zu den meistgesuchten deutschen Dschihadisten.

2007 reisten sie zunächst in den Jemen und von dort ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet. Seit 2008 sind ihnen mehr als 100 Menschen aus Deutschland gefolgt: Männer, aber auch ihre Frauen und Kinder.

Der einsame Wolf vom Frankfurter Flughafen

Während deutsche Sicherheitsbehörden den Weg der Waziristan-Reisenden zu verfolgen versuchten, kam es in Deutschland zu dem ersten tödlichen Anschlag mit islamistischem Hintergrund. Am 2. März 2011 erschoss der 21-jährige Arid Uka alias "Abu Reyyan" auf dem Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten. Noch auf dem Weg zum Tatort hatte er islamische Heldengesänge gehört - produziert hatten sie die Bonner Chouka-Brüder.

Experten sahen in Arid Uka einen "einsamen Wolf", einen Einzeltäter, der sich am Computer radikalisiert hatte, ohne jemals ein islamistisches Ausbildungslager besucht zu haben. Er schaute lediglich Propaganda-Videos im Internet und chattete via Facebook mit bekannten Dschihadisten. Das reichte offenbar, um ihn zu seiner Tat zu bewegen.

Wenige Wochen nach dem Anschlag von Frankfurt wurden in Düsseldorf vier mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder festgenommen. Sie sollen einen "aufsehenerregenden Terroranschlag in Deutschland" vorbereitet haben. Die sogenannte "Düsseldorfer Zelle" plante offenbar, einen Sprengsatz mit Splitterwirkung an einer Bushaltestelle zu zünden. Der Anführer der Gruppe soll 2010 in einem Al-Qaida-Trainingslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden sein.