Iran:Ein tödliches Regime

Iran: Demonstranten gegen das iranische Regime im September in London.

Demonstranten gegen das iranische Regime im September in London.

(Foto: Dan Kitwood/Getty Images)

Seit Wochen lässt das iranische Regime Todesurteile vollstrecken. Nun wurden zwei junge Männer hingerichtet - einer war erst 17 Jahre alt. Offenbar geht es den Mullahs um Einschüchterung.

Von Raphael Geiger, Istanbul

Selbst das iranische Regime muss geahnt haben, dass es in den Augen der Welt ein Verbrechen beging, als es Hamidresa Asari tötete. Nicht nur, weil es an ihm, wie dieses Jahr schon mehr als 600-mal, ein Todesurteil vollstreckte. Asari sei 18 Jahre alt gewesen, hieß es offiziell. Oppositionelle Aktivisten dagegen erfuhren von einem Verwandten, dass Asari gerade erst 17 geworden war. Damit verstieß seine Hinrichtung am vergangenen Freitag gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Gegen iranisches Recht allerdings nicht, wonach auch 15-jährige Teenager schon voll straffähig sind. Ob Asari den Mord begangen hat, den man ihm vorwarf, ist nicht zu überprüfen, die iranische Justiz allein ist keine belastbare Quelle.

Erst einen Tag zuvor, am Donnerstag, wurde in Iran ein anderer junger Mann gehängt. Milad Zohrevand war 21 Jahre alt, er soll im Herbst 2022 ein Mitglied der Revolutionsgarden getötet haben, also jener Zweitarmee, auf die sich die Macht des Regimes stützt. Und die dafür zuständig war, die Proteste im vergangenen Herbst niederzuschlagen. Nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini in den Händen der Sittenpolizei gingen die Menschen überall im Land auf die Straßen, monatelang, Milad Zohrevand war einer von ihnen.

Die iranische Führung will unbedingt vermeiden, dass es wieder zu Protesten kommt

Auch in seinem Fall ist nicht zu überprüfen, ob er den Revolutionsgardisten wirklich umgebracht hat. Er ist der achte Mensch, den die iranische Justiz wegen eines Verbrechens während der Proteste hinrichten ließ. Der erste war im Dezember 2022 ein Rapper, dem das Regime nicht mal Mord vorwarf - das Urteil damals lautete auf "Krieg gegen Gott".

Die iranische Führung will unbedingt vermeiden, dass es wieder zu Protesten kommt. Erst im Oktober erinnerte ein Fall in der Teheraner Metro an den Tod Jina Mahsa Aminis. Offenbar griffen Beamten der Sittenpolizei ein Mädchen an, das ohne Kopftuch in die Bahn gestiegen war. Ein Video zeigte, wie Armita Garawand anschließend von anderen Passagieren auf den Bahnsteig getragen wurde. Garawand lag wochenlang im Koma, bevor sie ihren Verletzungen erlag. Sie war 16 Jahre alt.

Auf den Straßen blieb es nach ihrem Tod ruhig. Im Land herrsche Angst, so beschreiben es ins Ausland gereiste Iranerinnen und Iraner. Die Hinrichtungszahlen waren schon lange hoch. Seit dem 7. Oktober, dem Tag, als die Hamas Israel überfiel, werden kontinuierlich Todesurteile vollstreckt. Aktivisten sagen, dass das Regime seitdem über 100 Menschen hingerichtet habe. Sie starben im toten Winkel der Weltöffentlichkeit.

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