Irak Die entscheidende Schlacht gegen den IS steht dem Irak noch bevor

TOPSHOT - Members of Iraq's elite counter-terrorism service secure on December 27, 2015 the Hoz neighbourhood in central Ramadi, the capital of Iraq's Anbar province, about 110 kilometers west of Baghdad, during military operations conducted by Iraqi pro-government forces against the Islamic State (IS) jihadist group. Jihadist fighters abandoned their last stronghold in Ramadi today, bringing Iraqi federal forces within sight of their biggest victory since last year's massive offensive by the Islamic State group. AFP PHOTO / AHMAD AL-RUBAYE / AFP / AHMAD AL-RUBAYE

(Foto: AFP)
  • Iraks Armee verkündet die Rückeroberung Ramadis, die IS-Stellungen in der Stadt sollen besiegt sein.
  • Die Informationen über die Lage in Ramadi bleiben allerdings widersprüchlich.
  • Doch auch wenn die Militanten aus Ramadi vertrieben wurden, steht den Irakern die schwierige Rückeroberung von Mossul erst noch bevor.
Von Tomas Avenarius

Irakische Streitkräfte haben die Stadt Ramadi für eingenommen erklärt und so dem sogenannten Islamischen Staat (IS) nach eigenen Angaben eine schwere Niederlage zugefügt. Während ein Sprecher der irakischen Armee am Montag die Rückeroberung der von der Terrorgruppe seit sieben Monaten besetzten Großstadt bekannt gab, blieben Zweifel: Zumindest einzelne Stadtteile schienen am Montagabend noch in der Hand der IS-Militanten zu sein.

Die von Schiiten dominierte Zentralregierung in Bagdad ist auf einen Erfolg im Kampf gegen den Islamischen Staat dringend angewiesen. Das Jahr 2016 werde "das Jahr der großen Siege sein", kündigte Regierungschef Haider al-Abadi am Montag in einer Fernsehansprache entsprechend optimistisch an. Für den IS als sunnitische Untergrundgruppe wäre der Fall der Sunnitenhochburg Ramadi ein empfindlicher Rückschlag.

Der Großangriff läuft seit einigen Tagen. Wichtigstes Ziel war es, die angeblich 250 bis 350 IS-Kämpfer aus einem riesigen Regierungskomplex in der Innenstadt zu vertreiben. Armee und Anti-Terror-Einheiten der Polizei wurden durch US-Luftschläge unterstützt. Am Boden kämpften zudem sunnitische Stammesmilizionäre auf Seiten der Regierungsstreitkräfte.

Sicherheitskräfte haben die irakische Flagge gehisst

Erste Berichte aus Ramadi über den Fall der Stadt blieben widersprüchlich. Ein Armeesprecher sagte im TV, Ramadi sei von der "heldenhaften Armee aus den Klauen des IS gerissen" worden. Die Sicherheitskräfte hätten den Provinzregierungssitz eingenommen und die irakische Flagge gehisst. "Viele IS-Kämpfer wurden getötet, die anderen sind geflohen." Ein anderer Offizier hingegen sagte, rund 30 Prozent von Ramadi seien noch nicht unter Kontrolle.

Selbst nach der angeblichen Einnahme des Regierungskomplexes blieben Fragen: Ein Sprecher des Provinzrates von Anbar sagte, die Truppen rückten nur sehr langsam in die Anlage ein, da der IS Sprengfallen gelegt habe. Ein Polizeioffizier sagte zudem, in dem Gebäudekomplex hätten sich IS-Scharfschützen und Selbstmordbomber verschanzt. Da der IS diese gezielt im Kampf gegen Truppen einsetzt, könnten sich die Kämpfe hinziehen. IS-Kämpfern scheint zudem die Flucht gelungen zu sein.

Als Kapitale der Sunnitenprovinz Anbar war Ramadi seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein 2003 durch die Amerikaner ein Zentrum des sunnitischen Widerstands gegen die Schiiten-Regierung in Bagdad. Auch deshalb konnte der sunnitische IS die Stadt leicht erobern. Ramadi liegt nur 100 Kilometer von Bagdad entfernt; es kontrolliert den Zugang nach Falludscha.

Auch diese Stadt ist in der Hand des IS. Sollten die Militanten nun aus Ramadi vertrieben worden sein, dürfte der IS auch in Falludscha unter Druck geraten. Weit schwieriger als die Einnahme von Ramadi wird sich für die Iraker aber ihr eigentliches Ziel gestalten: die Rückeroberung von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Landes. Mossul ist zusammen mit dem syrischen Raqqa inoffizielle Hauptstadt des Kalifats. Bei zwei Bombenattentaten im syrischen Homs, wo seit Anfang Dezember Waffenstillstand zwischen Rebellen und Regierungstruppen herrscht, starben unterdessen mindestens 32 Menschen.

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