Preise:Inflationsrate bleibt hoch

Im Juni sind die Preise in Deutschland um 2,3 Prozent gestiegen. Vor allem die Energiekosten legen kräftig zu.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Inflation in Deutschland ist im Juni um 2,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt in seiner Schätzung am Dienstag mit. Im Mai war die Teuerungsrate mit 2,5 Prozent auf den höchsten Stand seit September 2011 geklettert. Experten erwarten, dass die Inflationsrate in diesem Jahr noch bis auf vier Prozent springen könnte, was zum Teil auf politische Entscheidungen zurückzuführen ist. In Deutschland sind die Mehrwertsteuersätze zum Jahreswechsel auf das übliche Niveau angehoben worden, nachdem sie im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie gesenkt worden waren. Zudem wird seit Anfang 2021 eine CO₂-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid fällig. Das treibt die Energiepreise deutlich nach oben, im Juni lag dieser Aufschlag im Schnitt bei knapp zehn Prozent, so das Statistische Bundesamt.

Die steigenden Inflationsraten sind ein globales Phänomen. In der Euro-Zone lag der Zuwachs im Mai bei zwei Prozent, in den USA gar bei fünf Prozent. Die Notenbanken sind alarmiert. Die EZB wird wohl dem Beispiel der amerikanischen Federal Reserve folgen und künftig Inflationsraten über der selbstgesteckten Marke von zwei Prozent tolerieren. Die Debatten zu diesem Strategieschwenk laufen derzeit. Auch bei der BIZ in Basel, der Zentralbank der Zentralbanken, beobachtet man die Preisentwicklungen sehr genau. "Das größte Risiko für die globale Finanzstabilität ist die Inflation", sagte der Forschungschef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Hyun Song Shin der SZ.

Bürger empfinden die Preiserhöhungen als viel stärker

"Wenn die Preise dauerhaft steigen, hätte das Auswirkungen auf die Anleihemärkte, den Grundpfeiler des Finanzsystems", so Shin. Der Experte befürchtet für diesen Fall höhere Anleiherenditen. Diese könnten die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzierung beeinträchtigen, weil die Zinsen für die Schuldenaufnahme steigen würden. "Wir können nicht ausschließen, dass es einen permanenten Anstieg der Inflation gibt. Aber das ist derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario", so Shin weiter. "Es ist wahrscheinlicher, dass die Inflation im nächsten Jahr wieder abklingt, weil dann die Basiseffekte nicht mehr wirken und Angebotsengpässe behoben sind."

Die Rückkehr der Inflation ist ein Politikum. Die EU-Kommission stellt jedes Jahr in Umfragen fest, dass die Bürger die Preiserhöhungen als viel stärker empfinden, als sie die EU-Statistikbehörde Eurostat ausweist. So lag die offizielle Teuerungsrate Anfang dieses Jahres bei rund einem Prozent, die Menschen taxierten ihre persönliche Inflation jedoch auf 4,5 Prozent. Dazu kommt der Effekt, dass notwendige Ausgaben, zum Beispiel für Nahrung, Mieten und Energie, bei weniger finanzkräftigen Familien einen größeren Anteil des Budgets ausmachen als bei reicheren Familien. Steigende Preise betreffen einkommensschwache Haushalte tendenziell härter.

© SZ
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