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IAEA-Chef Amano unter Druck:Zurückhaltend und vorsichtig

Der Japaner Yukiya Amano ist Chef der Atombehörde IAEA und verfügt über beste Verbindungen zu Regierung und Atomindustrie. Doch er wirkt nur glaubwürdig, wenn er bei der Aufarbeitung der Reaktorunfälle in Japan seine Unabhängigkeit beweist.

Paul-Anton Krüger

Seine Gedanken seien bei den Menschen in seinem Heimatland Japan, sagte Yukiya Amano in einer Videobotschaft zur Reaktorhavarie im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Der 63 Jahre alte Jurist und Diplomat steht seit eineinhalb Jahren an der Spitze der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Sehr zurückhaltend und vorsichtig, wie sein Naturell oft beschrieben wird, reagierte er auch auf die Meldungen aus seiner Heimat.

International Atomic Energy Agency IAEA Director General Amano smiles as he prepares for a Board of Governors meeting at the IAEA headquarters in Vienna

Gilt als sehr zurückhaltend und vorsichtig: IAEA-Chef Yukiya Amano.

(Foto: REUTERS)

Er hoffe, dass die Behörden "schnellstmöglich" die Sicherheit im Block 1 des betroffenen Kraftwerks wiederherstellen könnten, sagte Amano. Angesichts der drohenden Kernschmelze in zwei Reaktoren wirkt jedoch seine Aussage befremdlich, die meisten der von dem Jahrhundertbeben betroffenen Atommeiler hätten sich automatisch abgeschaltet, was "die Effektivität der Sicherheitsvorkehrungen" zeige.

Es lässt sich darin aber schon der Spagat erkennen, in dem sich die Wiener Atombehörde in den kommenden Monaten bewegen muss. Denn sie wacht nicht allein darüber, dass der Atomwaffensperrvertrag eingehalten und die Bombe nicht weiterverbreitet wird - wegen Japans Geschichte mit den US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki eine Mission, die Amano aus tiefster Überzeugung verfolgt.

Zugleich soll sie die friedliche Nutzung der Nuklearenergie fördern. Amanos Chance auf eine zweite vierjährige Amtszeit wird nun neben dem Fortgang des Atomstreits mit Iran und Syrien auch davon abhängen, ob er die Krise zur Zufriedenheit der Mitgliedstaaten managt - von denen die meisten bislang daran interessiert sind, die Atomenergie auszubauen, entweder weil sie ihren steigenden Energiebedarf auf diese Weise decken wollen oder weil sie Nukleartechnik verkaufen.

Amano, der 1972 in den diplomatischen Dienst eingetreten war und von 1993 an die Abteilungen für Atomwissenschaft und Atomenergie im Außenministerium in Tokio leitete, wird sich vorerst strikt an das Mandat der IAEA halten.

Unabhängigkeit beweisen

In der jetzigen Phase besteht es nur darin, den Austausch "offizieller und bestätigter Informationen" zwischen Japan und anderen Staaten zu organisieren, auch wenn Amano als früherer Botschafter Japans bei der IAEA noch immer über beste Verbindungen in die Regierung in Tokio verfügen dürfte und wohl auch zur Atomindustrie des Landes. Zudem wäre Amanos Behörde verantwortlich dafür, internationale Hilfe zu koordinieren, sollte Japan sie anfordern, und technische Unterstützung etwa bei der Überwachung der Strahlung zu leisten.

Die IAEA und ihr Chef Amano spielen nur eine beschränkte Rolle, wenn es darum geht, die Sicherheit kerntechnischer Anlagen zu gewährleisten. "Das ist die Verantwortung der Mitgliedstaaten", heißt es. Man fördert den internationalen Austausch und prüft - auf freiwilliger Basis - ob die gängigen Standards eingehalten werden. Nach der Katastrophe von Tschernobyl hatte Amanos Vor-Vorgänger Hans Blix Sicherheit zu einem Schwerpunkt der Arbeit der IAEA erhoben und so ihre Glaubwürdigkeit gestärkt. Das kann auch Amano gelingen - wenn er bei der Aufarbeitung der Reaktorunfälle in Japan seine Unabhängigkeit beweist.

© SZ vom 14.03.2011/juwe

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