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Astrologie:Sternzeichen Corona

Milky Way. Night sky with stars and silhouette of a standing man with telescope. (Allexxandar)

Eine Auswertung hat ergeben: Bei ihren Prognosen für das Corona-Jahr 2020 tappten die Hellseher komplett im Dunklen.

(Foto: Allexxandar/imago images)

Seit Beginn der Pandemie fallen Horoskope auffällig positiv aus. Sind Sternbilder immun gegen Coronaviren?

Von Titus Arnu

Das Jahreshoroskop für 2020 klang vielversprechend: "Sie haben dermaßen positive Sterne, dass Sie mit großer Sicherheit davon ausgehen können, dass Sie 2020 gesund bleiben." Auch mit dem Job und in der Liebe hätte bei Jungfrauen alles spitzenmäßig werden sollen, wie damals in der Astro-Woche stand. Und zwar, weil "Uranus sich im neunten Solarhaus befindet". Leider lief dann alles doch ungünstiger ab, nicht nur für Jungfrauen. Auch andere Tierkreiszeichen wurden nicht von Covid-19 verschont, einige erkrankten ernsthaft.

Astrologische Jahresvorhersagen hatten nicht mal ansatzweise angedeutet, dass es zu einer weltumspannenden Seuche kommen würde. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) hat die Prognosen der esoterischen Augurenzunft ausgewertet, mit klarem Ergebnis: Hellseher tappten komplett im Dunkeln. Die Wochen- und Monatsprognosen, die in Frauenzeitschriften und Tageszeitungen erscheinen, fielen indes im Vergleich zu den Vorjahren deutlich positiver aus. Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit fast 20 Jahren solche Weissagungen analysiert, ist das keine Überraschung: "Jedes Jahr gibt es schwammige Prognosen bezüglich Krankheiten und Epidemien, aber die weltweiten Folgen von Covid-19 hat vorab niemand erkannt."

Elizabeth Teissier, Schweizer Sternendeuterin mit der Eigenbezeichnung "Botschafterin der Astrologie in Europa", hat für 2021 ein "Jahr der Prüfungen" vorausgesehen. Vorerst wurden nur die Horoskope selbst geprüft: In einer aktuellen Untersuchung von OnlineCasinosDeutschland.com wurden Horoskope auf ihren positiven und negativen Gehalt gecheckt. Zwar mit dem eher plumpen Ziel, die Leute zum Glücksspiel zu animieren, aber doch mit unfreiwillig erhellendem Ergebnis: Die Diskrepanz zwischen glücksverheißendem Geschwurbel und der traurigen Realität war 2020 besonders krass. In 432 untersuchten Horoskopen wurden 89 Prozent positive und elf Prozent negative Voraussagen gefunden, deutlich mehr als 2019 und 2018.

21 Prozent der Frauen glauben an die Macht der Sterne

In Krisen halten sich Menschen gerne an magische Orakel. Denn die Astrologie verkündet trotz aller Katastrophen: Alles wird gut. Ein Horrorskop will ja keiner lesen. "Gerade in unsicheren Zeiten werden Horoskope netter formuliert ", sagt Michael Kunkel, "die Leute wollen die Seele gestreichelt bekommen." Das scheint zu funktionieren: 21 Prozent der Frauen und neun Prozent der Männer glauben einer Umfrage zufolge an die Macht der Sterne. Dabei existiert keinerlei Zusammenhang zwischen der Bewegung von vielen Lichtjahren entfernten Himmelskörpern und dem Schicksal einzelner Menschen, wie mehrere Doppelblindstudien beweisen.

Ob sich die Realität bald nach den superpositiven Prophezeiungen richtet? Umgekehrt hatte sich nämlich zum Beispiel das kanadische Medium Nikki Pezaro für 2020, das ja dann tatsächlich zum Hororjahr mutierte, ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt: Ein Riesenaffe à la King Kong sollte auf einer einsamen Insel entdeckt werden, ein Roboter eine Bank überfallen und Pinguine in einer Stadt wehrlose Menschen terrorisieren. Zum Glück ist jedenfalls das 2020 dann doch nicht wahr geworden.

© SZ/rkl
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