Holger G. im NSU-Prozess:Systemchecks bei Kuchen

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Immer wieder hätten ihn die drei besucht, hätten sich auch in der Öffentlichkeit mit ihm gezeigt. "Abgesehen davon, dass ich sie mit ihren Tarnnamen ansprach, waren diese Treffen für mich normal", berichtet Holger G. Man habe über Urlaube und alte Bekannte gesprochen, Doppelkopf gespielt. Politik sei selten Thema gewesen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos G. aushorchen wollten, falls sie mit den geliehenen Ausweisdokumenten kontrolliert würden. "Systemchecks" nennt sie diese Treffen. Holger G. sieht Böhnhardt ein wenig ähnlich und soll sein Äußeres für Passfotos angepasst haben. "Ich wusste nicht, dass das Systemchecks waren", sagt Holger G. jetzt, erst im Nachhinein sei ihm das klargeworden. "Sie können mich naiv nennen." Aber für ihn habe es keinen Anlass gegeben, den Freunden nicht zu trauen.

Dass die drei im Untergrund leben, habe er akzeptiert. Nicht in seinen schlimmsten Träumen habe er sich aber vorstellen können, dass sie Menschen töten. Am Ende habe er auch mit seinem Ausweis nicht mehr helfen wollen, dann ließ er sich aber trotzdem, noch im Mai 2011, die Haare für das Passfoto schneiden. Die drei seien zu Besuch gekommen, Zschäpe habe extra einen Kuchen gebacken. Und Böhnhardt und Mundlos hätten ihn überredet und ihm gedroht. Schließlich habe er wieder eingewilligt. Man dürfe nicht vergessen, dass bis zum Tod von Böhnhardt und Mundlos niemand etwas wusste, sagt Holger G. "Auch ich nicht", betont er noch einmal. Wie Carsten S. am Vortag belastet auch er mit seiner Aussage die Mitangeklagten schwer und weist jedes Wissen über die Morde von sich.

"Das war der Entwicklung nicht förderlich"

Zuvor berichtete Holger G. über sein Leben und ließ auch Fragen zu. Sein Gesicht ist dabei nicht zu sehen. Er wendet sich nur an den Vorsitzenden Richter. Er erzählt von seiner Jugend in der DDR, von Arbeitslosigkeit und wechselnden Jobs, von seinem regelmäßigen Drogenkonsum und wie er spielsüchtig wurde und Schulden machte. Er erzählt von seiner Mutter, die sich auf ihn - das Nesthäkchen - konzentriert hätte. "Das war der Entwicklung nicht förderlich", sagt Holger G. mehrmals. Und er erzählt von seiner Lebensgefährtin, die in den vergangenen Jahren sein Leben umgekrempelt habe. Er beschreibt sich nun als fleißigen, braven Mann, der erstmals Verantwortung übernommen habe. Und obwohl er der Freundin nichts von seiner Vergangenheit gesagt habe, habe sie zu ihm gehalten. Sie kenne ihn schließlich. "Die Frau ist der Hammer", sagt der Angeklagte. Immer wieder wirken seine Aussagen auch unfreiwillig komisch.

Von seiner politischen Karriere will Holger G. nichts erzählen, aber er redet über seinen angeblichen Ausstieg. Dass er irgendwann nette ausländische Kollegen gehabt hätte, auch Türken. Dass sich bei seinen Bekannten alles mehr in die Spaßrichtung entwickelt habe. Am Ende sei er nur noch auf Demos gewesen, um alte Bekannte zu treffen. Überhaupt habe er viele Bekannte, aber nur noch einen einzigen Freund, der ihm wichtig sei. Was Freundschaft für ihn denn ausmache, fragt der Richter. Dass ein Freund verlässlich sei, einem sage, wenn man etwas falsch macht, sagt Holger G.

Waren Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auch Freunde?, fragt der Richter. Ja, sagt Holger G. jetzt. Natürlich.

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