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Hildegard Hamm-Brücher:"Unser Land hat ihr viel zu verdanken"

  • Hildegard Hamm-Brücher ist im Alter von 95 Jahren in München gestorben.
  • Die frühere FDP-Politikerin bekleidete verschiedene politische Ämter und war von 1976 bis 1982 in der Regierung Helmut Schmidts Staatsministerin im Auswärtigen Amt.
  • Die promovierte Chemikerin genoss Respekt weit über die Parteigrenzen hinweg und engagierte sich bis ins hohe Alter für liberale Werte.

Die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Wie die bayerische FDP am Freitag bekanntgab, ist die frühere Münchner Stadträtin, Landtags- und Bundestagsabgeordnete am Mittwoch gestorben. FDP-Landeschef Albert Duin würdigte sie als "große liberale Persönlichkeit". Vor allem als Bildungspolitikerin habe sie sich große Verdienste erworben. Hamm-Brücher sei eine Politikerin mit festen Überzeugungen und der Kraft gewesen, unbequem zu sein, auch für ihre Partei. "Wir behalten sie als unabhängigen Geist und leidenschaftliche Liberale in Erinnerung", so Duin.

Auch Christian Lindner, der Bundesvorsitzende der FDP, griff das auf und lobte Hamm-Brücher, die 2002 wegen programmatischer Differenzen aus der FDP ausgetreten war, als "eine unbequeme Politikerin im besten Sinne".

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Hamm-Brücher in einer ersten Reaktion als Vorbild für jüngere Generationen. "Hildegard Hamm-Brücher besaß Anstand und Maß und war offenen Sinnes für andere und Andersdenkende", sagte er am Freitag laut Mitteilung in Berlin. "Mit ihrer aufrichtigen Liberalität bleibt sie auch für nachfolgende Generationen ein Vorbild." Sie habe stets "klug, selbständig und fair" für ihre Überzeugungen gekämpft und "wie kaum eine andere für einen Liberalismus, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte" vertreten, sagte Gauck.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Deutschland verliere mit Hamm-Brücher "eine herausragende Demokratin - und eine der letzten politischen Akteurinnen, die unsere Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut haben". Mit ihrem unermüdlichen und wortgewaltigen Einsatz für die Demokratie habe sie sich höchsten Respekt über Parteigrenzen hinweg erworben. "Freiheit war für sie, die Krieg und Gewaltherrschaft selbst noch erlebt hat, Privileg, aber auch Verpflichtung." Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) zollte dem Lebenswerk der überzeugten Demokratin Hamm-Brücher seinen Respekt: "Unser Land hat ihr viel zu verdanken", schrieb Maas.

Seine Vorgängerin im Justizministerium, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), erinnerte ebenso wie die Grünen-Politikerin Renate Künast an die Vorbildwirkung von Hildegard Hamm-Brücher, die durch ihre Unbeugsamkeit und Haltung in politischen Fragen oft auch politische Gegner überzeugt hat.

"Hamm-Brücher war eine Liberale im besten Sinne: Tolerant, weltoffen und demokratisch", sagten in einer Pressemitteilung die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckhardt und Anton Hofreiter. Sie erinnerten an eine Grundüberzeugung der in Essen geborenen und in München verstorbenen Politikerin: "'Demokratie muss erkämpft werden', hat sie einmal gesagt. Ein Satz, der heute wieder ungeahnt aktuell ist."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die verstorbene langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher für ihre Verdienste um Freiheit und Demokratie gewürdigt. "Wir verlieren mit ihr eine der ersten Frauen, die sich im Auswärtigen Amt und weit darüber hinaus für Demokratie und Freiheitsrechte eingesetzt hat", sagte Steinmeier am Freitag in Hamburg.

Der bayerische SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold bezeichnete Hamm-Brücher als eine Vorkämpferin der Gleichberechtigung. Er verneige sich vor einer "standhaften, sozial-liberalen Freundin der SPD". Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm sagte, "mit Hamm-Brücher verlieren wir eine engagierte Kämpferin für den Parlamentarismus und eine starke, wehrhafte Demokratie". Der FDP-Ortsverband Bochum erinnerte an eines der bekanntesten und wirkmächtigsten Zitate der Grande Dame des Liberalismus: "Nicht nur mit der Macht kann man Dinge verändern, sondern auch mit dem Wort, der eigenen Einstellung und Haltung."