Guttenberg und die "Gorch Fock" Eine Frage des Respekts

In der Affäre um die "Gorch Fock" hatte Verteidigungsminister Guttenberg noch am Freitag vor "Vorverurteilungen" gewarnt. Nach der Entlassung des Kapitäns muss er sich genau diesen Vorwurf gefallen lassen.

Von S. Braun und P. Blechschmidt

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zieht mit seinem Vorgehen in der Affäre um den Tod einer Kadettin auf der Gorch Fock scharfe Kritik auf sich. Die SPD sprach von Vorverurteilung, nachdem Guttenberg den Kapitän des Schulschiffs, Norbert Schatz, suspendiert hatte. Der Minister wolle von eigenen Versäumnissen ablenken.

Nach der Entlassung des Kapitäns der Gorck Fock steht Verteidigungsminister Guttenberg in der Kritik.

(Foto: dapd)

Nachdem Guttenberg noch Ende voriger Woche vor wichtigen Entscheidungen die weiteren Untersuchungen abwarten wollte, entschied er sich am Wochenende dafür, sofort einschneidende Veränderungen vorzunehmen.

So beschloss er, das Marineschulschiff Gorch Fock nicht nur sofort nach Deutschland zurückzubeordern; bis auf weiteres soll auch die Ausbildung auf dem Dreimast-Segler eingestellt werden. Außerdem enthob er den Kapitän des Schiffes, Norbert Schatz, des Kommandos. "Nach einer derartigen Häufung von faktisch erschütternden Berichten kann niemand zur Tagesordnung übergehen", sagte der CSU-Politiker am Wochenende im Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz.

Für diese Schritte erhielt er aus der FDP Unterstützung. Deren Verteidigungsexpertin Elke Hoff sagte der Süddeutschen Zeitung, es sei richtig, Schatz bis zum Abschluss der Untersuchung aus der Schusslinie zu nehmen. Das diene auch dem Schutz des Kapitäns. Von einer vorläufigen Suspendierung war allerdings nur in einer vertraulichen Unterrichtung des Parlaments, nicht aber in der öffentlichen Mitteilung die Rede.

Von der SPD kam denn auch scharfe Kritik. Ihr verteidigungspolitischer Sprecher Rainer Arnold warf Guttenberg eine "Vorverurteilung" des Kommandanten vor. "Zur Klärung der Vorgänge ist eine Untersuchungskommission unterwegs. Der Minister aber entlässt den Kommandanten, ohne ihn vorher anzuhören", kritisierte Arnold in der Zeitung Sonntag aktuell.

Noch am Freitag habe Guttenberg selbst vor Vorverurteilungen gewarnt, betonte Arnold. Der SPD-Politiker kritisierte auch, dass Guttenberg sich offenbar nach einem Zeitungsartikel demonstrativ umentschieden habe. "Nun hat die Bild-Zeitung einen Artikel geschrieben, und Guttenberg gibt den Macher. Das hat mit Respekt vor den Soldaten nichts mehr zu tun."

Auf der Gorch Fock, die noch im südargentinischen Hafen Ushuaia ankert, wird am Donnerstag eine Untersuchungskommission erwartet, der auch der vorläufig neue Kommandant angehört. Danach soll die Heimreise beginnen. Daneben wird ein Team an der Marineschule in Mürwik alle Offiziersanwärter befragen, die zuvor auf der Gorch Fock ausgebildet worden waren.

Wie jetzt bekannt wurde, war Schatz am Tag des tödlichen Unfalls einer Offiziersanwärterin nicht an Bord, sondern auf einem Landgang mit seiner Frau. Außerdem erfuhr die SZ, dass in den Beschwerden über unwürdige Behandlung nach dem Todesfall nicht gesagt wurde, den Soldaten sei Meuterei vorgeworfen worden. Allerdings habe die Schiffsführung die Beschwerdeführer vom Lehrgang ablösen wollen.

Guttenberg will in der gesamten Bundeswehr nach möglichem Fehlverhalten suchen lassen. "Ich habe den Generalinspekteur beauftragt, eine Überprüfung in allen Teilstreitkräften vorzunehmen, inwieweit es in den letzten Jahren und auch jetzt noch Anhaltspunkte für Rituale gibt, die den Grundsätzen der Bundeswehr widersprechen", sagte er der Bild am Sonntag. Der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, brachte die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ins Spiel.